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Streaming-Service Disney+ gestartet: Das neue Haus der Maus

Fünf Monate hat es gedauert, am 24. März ist der Streaming-Dienst Disney+ gestartet nun auch in Europa zu sehen. Durch die Zukäufe von Studios wie 20th Century Fox ist der Disney-Konzern inzwischen zum größten Unterhaltungsanbieter der Welt geworden. Das müsste sich ja eigentlich auch in der Liste der Angebote nieder schlagen. Aber die ist zu Beginn doch noch etwas schmal.

Disney+ tritt mit dem Anspruch an, ein Gamechanger zu sein. Bisher gab es Netflix, deren Geschäftsmodell nicht auf Gewinn setzte, sondern auf grenzenloses Wachstum. Jeff Bezos Amazon-Prime-Plattform dagegen funktioniert nach dem Prinzip einer alten Videothek: man zahlt eine Gebühr für den Zutritt und bekommt dafür ein Grundangebot, für Zusatzangebote (Starz, BBC etc.) wird man jedoch noch einmal extra zur Kasse gebeten.

Disney+ gestartet: Das Angebot ist vor allem in Sachen Animation stark – es gibt einige echte Perle, aber auch ordentlich Schrott.
Foto: Imago
Disney+ gestartet: Das Angebot ist vor allem in Sachen Animation stark – es gibt einige echte Perle, aber auch ordentlich Schrott.
Foto: Imago

Amazon hat – genau wie Disney – genug Geld im Rücken, um das kommende Rennen um die Gunst des Publikums durchzustehen. Netflix könnte sich, wenn die anderen Hollywood-Studios ihre Produkte abziehen, zu einer Art Grabbelkiste entwickeln.

Sicher ist: So wie es jetzt ist, wird es auch bei Disney+ nicht bleiben. Die aktuelle Corona-Krise befeuert die weltweite Kinokrise nur noch. Schon gibt es Studios, die aus dem geplanten Kinostart ihrer Filme eine Online-Premiere machen wollen („Der Unsichtbare“), selbstverständlich gegen eine gepfefferte Gebühr.

Disney+ gestartet: Pixar, Star Wars, Marvel und National Geographic

Die Disney+-Seite ist in fünf Kategorien unterteilt: Disney, Pixar, Star Wars, Marvel und National Geographic. Schon bemerkenswert, dass dabei der Hauptkanal der ist, zu dem einen viel Kritik einfällt. Hier findet der Abonnent jede Menge disney-typischen Kommerzquatsch à la „High SchoolMusical“ (wie viele Teile gab es denn davon eigentlich?) und Serien, die sich explizit an Kinder und Teenager wenden.

Natürlich stehen hier jede Menge Disney-Perlen aus 90 Jahren Kinogeschichte, angefangen mit dem Kurzfilm „Steamboat Willie“ (1928), dem ersten Auftritt von Micky Maus. Selbst die doch etwas ruckelhafte Animation und das alte schwarz-weiße Filmmaterial zeugen vom visuellen Einfallsreichtum Walt Disneys und seiner schrägen Sicht auf diese Welt, eine Mischung aus warmherzigen und surrealistischen Humor.

Weitere Perlen sind klassische Kurzfilme wie „Einsame Geister“ (1937), in dem sich Micky, Donald und Pluto als Geisterjäger verdingen, und natürlich das zeitlose Meisterwerk „Fantasia“ (1940), in dem Disney seine Animation mit klassischer Musik unterlegte. Spannend dabei, dass ausgerechnet „Fantasia“ mit dem Rassismus-Disclaimer startet: „Diese Sendung wird in ihrer ursprünglichen Form gezeigt und könnte überholte kulturelle Darstellungen enthalten.“

Überhaupt bietet diese Unterabteilung des Dienstes eine wunderbare Sicht auf die klassischen, abendfüllenden Animationsfilme, angefangen bei „Schneewittchen“ (1937), „Dumbo“ (1940) und „Peter Pan“ (1953). Natürlich darf „Das Dschungelbuch“ (1967) nicht fehlen, „Der König der Löwen“ (1994), bis hin zum schwer unterschätzten „Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ (2001) und den neuen Filmen um die „Eiskönigin“ (2013) und „Baymax“ (2014).

Selbst die Rarität „Taran und der Zauberkessel“ (1985), immerhin der erste Film des Filmgenies Tim Burton, findet sich hier. Leider fehlen noch einige der Klassiker wie „Die Hexe und der Zauberer“ (1963).

Disney+: Warum heißt Pinocchio „Die lebendige Puppe“?

Eher merkwürdig dagegen ist die Tendenz, alten Filme plötzlich neue Titel und Untertitel zu verpassen: Aus „Pinocchio“ (1940) wird jetzt „Die lebendige Puppe“, „Arielle die Meerjungfrau“ (1989) mutiert zum „Mädchen mit den Schwefelhölzern“.

Dazu kommen die ganzen direct-to-video/DVD-Fortsetzungen von klassischen Zeichentrickfilmen, die der Konzern in den letzten Jahrzehnten so produziert hat. Nur wenige davon sind so bemerkenswert wie „Aladdin und der König der Diebe“ (1996), für den sogar Robin Williams noch einmal seine Rolle als Dschinni eingesprochen hat.

Oder wie das Weihnachtsspecial (falsche Jahreszeit, ich weiß, aber vielleicht einfach schon mal vormerken?) von „Die Schöne das Biest“ mit dem unvergleichlichen Tim Curry als Orgelstimme.

Neuverfilmungen und die Pixar-Schätze: Ein nicht zu verachtender Fundus

Ausgesprochene Spezialfälle bilden da die „neuesten“ Filmideen aus dem Haus der Maus: Realfilm-Remakes der klassischen Zeichentrickfilme. Gewiss, aus kreativer Sicht ist ein hyperrealistischer Animationsfilm wie „Der König der Löwen“ aus dem letzten Jahr eine komplette Nullnummer. Und trotzdem sind die Bilder, ist die Animation schlicht atemberaubend. Das „Aladdin“-Remake von Guy Ritchie bietet durchaus Ebenen (eine starke Frauenfigur, etwa), die der Originalfilm nicht hatte. Und der neueste Streich, das Remake von „Susi und Strolch“, feiert beim Streaming-Dienst exklusive Premiere. Wer da nicht Rotz und Schleier heult, der hat kein Herz.

Der zweite größere Bereich auf Disney+ widmet sich dann dem Filmstudio Pixar und ist einfach nur ein Traum. Hier findet sich wirklich jeder der wunderbaren 3D-Animationsfilme aus den letzten 25 Jahren, von „Toy Story“ (1995) bis zu den „Unglaublichen 2“ (2018). Dazu kommen alle Kurzfilme, die die Kalifornier jemals veröffentlicht haben, selbst Filme, die bisher noch nicht auf DVD/Blu-ray erschienen sind. Auch beim besten Willen ist da kein Kritikpunkt zu finden.

National Geographic ist ein Spezialistenkanal

Der „NG“-Bereich von Disney+ dagegen ist ein ausgesprochner Spezialistenkanal. Hier finden sich solche wunderbaren Serien wie „The World According To Jeff Goldblum“, ein ebenso humorvoller wie neugieriger Blick auf technische und wissenschaftliche Zusammenhänge. Aber eben auch jede Menge Tier- und Naturdokus, eine Filmbiografie der Verhaltensforscherin Jane Goodall, der Freikletterer-Film „Free Solo“, James Camerons Reportage über die Erkundung des Wracks der Titanic (überhaupt scheint sich Cameron zwischen seinen Filmen schrecklich zu langweiligen: Im NG-Kanal steht auch noch sein Atlantis-Film) oder Elon Musks Traum über die Reise zum Mars. Viel Stoff für wissbegierige Zuschauer …


Wer vor dem 24. März Disney+ für ein Jahr abonniert, zahlt knapp 60 Euro, danach knapp 70 Euro. Auch ein monatliches Abo ist möglich, auch das ist preislich noch eine deutliche Kampfansage an Netflix und Konsorten – 6,99 Euro im Monat, knapp 84 im Jahr also. Am Erscheinungstag erscheint eine App für Mobilgeräte, der Amazon Fire TV Stick und Apple TV werden zum Start genauso kompatibel sein wie viele Spielkonsolen und Smart-TVs. Alle Infos dazu auf der Seite von Disney.


Disney+ gestartet – Derzeit haben viele Menschen viel Zeit zum Streamen – denn sie sind zu Hause. Was sich im April auf den großen Portalen lohnt, verraten wir hier. Allerdings: Nur ein glücklicher Teil kann diesen Umstand auch genießen. Unser Themen-Spezial Corona in Berlin: Alle Berichte, Kommentare, Hintergrundinformationen, Reportagen und Fotostrecken. Wir haben zudem ein Hilfsprojekt gestartet, „tip Berlin hilft“.

Dramatisch ist die Entwicklung auch für die Kulturszene. Zwar setzt eine Welle der Corona-Solidarität in Berlin ein. Allerdings sind die vielen abgesagten Veranstaltungen und die zahlreichen Ticket-Rückgaben – das sind eure Rechte – für Veranstalter und Künstler eine Bedrohung ihrer Existenz.

Wer sich selbst beschäftigen will und muss: 100 Berlin-Romane, die jeder kennen sollte. Dazu unsere Podcast-Tipps – und was sich auf Streaming-Services lohnt. Berlin informiert hier über alles in Sachen Corona.

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