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Disneys „Winnie Puh“ im Kino

Winnie Puh

In unserem Kulturkreis kennt nahezu jeder die Bewohner des Hundertmorgenwaldes: den verfressenen Bären Winnie Puuh und seine Freunde wie das ängstliche Ferkel, den hyperaktiven Stofftiger Tigger, die angeberische Eule, das mürrische Kaninchen Rabbit und den depressiven Esel I-Aah. Die Frage ist nur: Kennt man diese Figuren tatsächlich aus den von E.H. Shepard illustrierten Originalgeschichten des britischen Schriftstellers A.A. Milne, der sich in den 1920er Jahren von der Stofftiersammlung seines Sohns Christopher Robin zu zwei fantasievoll-verspielten Kinderbüchern voller absurder Reime und Lieder anregen ließ? Oder sind einem doch eher die vielfältigen Werke der Walt Disney Company präsent, die nach Milnes Tod die Rechte an Winnie Puuh erwarb? Mit der Werktreue nahmen es die Disney-Filmer über die vergangenen knapp 50 Jahre hinweg nämlich eher unterschiedlich genau – vor allem in den letzten Jahren hatte man sich mit neuerfundenen Geschichten und Figuren – wie etwa in „Heffalump – Ein neuer Freund für Winnie Puuh“ (2005) und der Animationsserie „Meine Freunde Tigger und Puuh“ – weit von Milne und Shepard entfernt.
Mit dem Zeichentrickfilm „Winnie Puuh“ knüpfen die Disney-Regisseure Stephen J. Anderson und Don Hall jetzt allerdings in doppelter Hinsicht wieder an Traditionen an: Zum einen dienen Milnes Originalgeschichten und Shepards luftiger Aquarellstil nun wieder als Messlatte, zum anderen aber besinnt man sich bei Disney stilistisch auch auf die eigene Geschichte mit den Kurzfilmen „Winnie the Pooh and the Honey Tree“ (1966) und „Winnie the Pooh and the Blustery Day“ (1968), die Liebhabern der Ani­mationskunst als zwei der gelungensten Zeichentrickwerke jener Ära gelten.
Das Ergebnis ist ein in klassischer Handzeichnung erstellter, ausgesprochen intelligenter Trickfilm, der mit seinen surrealen Wortspielereien viel vom Geist Milnes transportiert – zumal die literarische Inspiration sich auch auf grafischer Ebene mit einer ständigen Interaktion zwischen den Figuren und den Buchstaben eines Buches manifestiert. Der Bär „von geringem Verstand“ wirkte lange nicht mehr so charmant, was sicher nicht zuletzt auf das Betreiben von John Lasseter, des Chefs von Disneys Animationssparte, zurückgeht, der mit seiner Qualitätsoffensive wirklich ernst macht.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Winnie Puuh“ im Kino in Berlin

Winnie Puuh (Winnie Pooh 2011 Movie), USA 2011; Regie: Stephen J.Anderson, Don Hall; 69 Minuten; FSK 0

Kinostart: 14. April

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