Comicverfilmung

„Doctor Strange“ im Kino

Das Marvel-Comic-Universum ist voller merkwürdiger Ecken. Und eine der seltsamsten bewohnt Doctor Strange, ehemaliger Chirurg und jetzt „sorcerer supreme“.

Doctor Strange
Foto: 2016 Marvel. All Rights Reserved.

Strange, geschaffen 1963 vom Spider-Man-Erfinder Steve Ditko, hatte niemals einen großen Erfolg, aber er zog über die Jahre einige der spannendsten Künstler und Autoren an, es gibt zahlreiche Hefte und Alben, die man auch einem Nicht-Comicleser ohne rot zu werden in die Hand drücken kann. Und oft kann man Stranges Abenteuer in magischen Dimensionen nur mit dem Konsum von nicht 100-prozentig legalen Drogen erklären.

Auch Scott Derrickson, Regisseur von „Sinister“, versprach, dass sein „Doctor Strange“-Film ein Trip werden würde. Doch schon die Trailer legten nahe, dass hier vor allen Dingen Christopher Nolan geplündert wird: Sie sahen aus wie eine Mischung aus „Batman Begins“ und „Inception“. Und genau so ist es auch gekommen, auch wenn die Besetzung über jeden Zweifel erhaben ist und der Film – anders als die Superheldenfilme aus dem DC-Universum – einen sehr angenehmen Humor und viel Herz hat.

Aber es dauert eben viele Monate und 70 Minuten Filmzeit, bis Stephen Strange vom arroganten Chirurgen, der durch einen Unfall berufsunfähig wird, zum „Höchsten Zauberer“ avanciert. Dass der Ersatzschurke Kaecilius (Mads Mikkelsen hinter einer merkwürdigen Pandabärmaske), der in einer sensationellen Anfangsszene eingeführt wurde, in der ganzen Zeit anscheinend einfach nur rumsitzt und wartet, muss man eben schlucken. Und dann ist am Ende der witzige Kampf gegen den Oberbösen Dormannu fast schon egal. Genauso egal wie die Frage, die im Vorfeld diskutiert wurde, ob die Britin Tilda Swinton denn nun einen alten Chinesen spielen darf: Deshalb heißt der Beruf doch SchauSPIELER, ihr Klappspaten!

„Doctor Strange“ mag nicht auf ganzer Linie überzeugen, aber er ist doch sehr unterhaltsam. Und hat zwei Credit-Szenen. Sitzenbleiben lohnt sich! Lutz Göllner

Doctor Strange USA 2016, 115 Min., R: Scott Derrickson, D: Benedict Cumberbatch, Rachel McAdams, Chiwetel Ejiofor, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Start: 27.10.

Bewertungspunkte3

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