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Doku „Die geteilte Klasse“

Die_geteilte_Klasse1945 wurde aus der deutschen Stadt Beuthen in Oberschlesien das polnische Bytom. Doch nicht alle Deutschen wurden vertrieben –nach Unterzeichnung einer Loyalitätsbekundung konnten einige in ihrer Heimat bleiben. Aus ihrer Muttersprache wurde bald eine Fremdsprache. Schon ihre Kinder lernten fließend Polnisch und ahnten die Unterschiede ihrer Herkunft mehr, als dass sie diese verstanden. Regisseur Andrzej Klamt war eines dieser Kinder. Er siedelte 1979 mit seinen Eltern in das gelobte Land BRD um. Nach mehr als 30 Jahren kehrte er nun in seine Geburtsstadt zurück, um nach den damals gekappten Wurzeln zu suchen. Dieser subjektive Blick auf die eigene Geschichte ist die primäre Stärke seines Dokumentarfilms. Neugierig, auch mit eingestandener Unsicherheit gegenüber dem Unterfangen, greift er anlässlich eines Klassentreffens die biografischen Spuren seiner Klassenkameraden auf, skizziert deren Lebenswege und gleicht diese immer wieder mit dem eigenen ab. Dabei werden en passant die großen historischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts reflektiert, die gerade durch die sehr privaten Geschichten als Geschichte greifbar werden.     

Text: Claus Löser
Foto: Scott Oiler/www.rette-deine-kette.de
tip-Bewertung: Sehenswert

Die geteilte Klasse
Deutschland/Polen 2011; Regie: Andrzej Klamt; 79 Minuten;
FSK k.A.;
Kinostart: 9. Februar

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