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Dokumentarfilm „Marley“

MarleyBob Marley war der Superstar des Reggae. Seine Mischung aus Rootsmusik mit sozialkämpferischen Texten und Lovers-Rock kam beim westlichen Publikum an – auch wenn Kenner der jamaikanischen Musikszene dies gern als Ausverkauf abqualifizierten. Unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang der Kommentar des apodiktischen Rockkritikers Lester Bangs: „Bob Marley ist ein Haufen verlogener Scheiße.“ Dreißig Jahre nach Marleys frühem Krebstod hatte Regisseur Kevin Macdonald nun erstmals die Unterstützung von dessen Familie für eine Dokumentation über den Musiker. Insofern wird hier viel interessantes und unbekanntes Material über dessen Leben zutage gefördert, ohne dass sich der Film dabei in völlig unkritischer Heldenverehrung ergeht. Zwei hier zu Wort kommenden Kindern Marleys ist etwa die Enttäuschung, nie wirklich intime Familienmomente mit dem Vater gehabt zu haben, deutlich anzumerken. Die Beschränkung der Interviewpartner auf tatsächliche Weggefährten tut dem Film gut, denn hier redet niemand nur in schalen Allgemeinplätzen – auch wenn gelegentliche Nachfragen (etwa zur Trennung der Original-Wailers) nicht geschadet hätten. Um eine Bewertung des musikalischen Schaffens Bob Marleys drückt sich die Doku allerdings weitgehend herum.     

Text: Lars Penning
Foto: STUDIOCANAL
tip-Bewertung: Annehmbar

Marley im Kino in Berlin
USA 2012; Regie: Kevin
Macdonald; 145 Minuten; FSK 6;
Kinostart: 17. Mai

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