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Dokumentation „Roman Polanski: A Film Memoir“

RomanPolanski_FilmMemoirFür einen Kinofilm ist die Ausgangssituation der Dokumentation „Roman Polanski: A Film Memoir“ denkbar ungünstig: Entstanden während des Hausarrests in seinem Schweizer Chalet im Jahr 2009, zeigt der Film kaum mehr als ein langes Gespräch zwischen dem Regisseur und seinem langjährigen Weggefährten, dem Produzenten Andrew Braunsberg.
Damals hatte Polanski die Affäre um einen Gerichtsprozess aus dem Jahr 1977 wegen Sex mit einer 13-Jährigen und seine damalige Flucht, mit der er sich der Verurteilung in den USA entzog, gerade wieder eingeholt. Über Kino wird deshalb nur wenig geredet, im Mittelpunkt stehen stattdessen die großen negativen Höhepunkte in Polanskis Leben: seine Jugend als Jude während der Nazi-Verfolgung, die Ermordung seiner Frau Sharon Tate durch die Manson Family und der besagte Sex-Prozess. Durchaus berührend wenn Polanski vom Leben im jüdischen Getto erzählt, bekommt die Fixierung des Films auf die Opferrolle des Regisseurs in Bezug auf die Prozessaffäre einen eher schalen Beigeschmack. Das Ergebnis wirkt geschönt und fällt damit auch hinter das zurück, was Polanski in seinen Buch-Memoiren längst von sich preisgegeben hat.      

Text: Lars Penning
Foto: RP Productions 2012/ Eclipse Studio Babelsberg
tip-Bewertung: Zwiespältig

Roman Polanski: A Film Memoir: Orte und Zeiten in Berlin
Großbritannien 2011; Regie: Laurent Bouzereau; 94 Minuten; FSK 12

Kinostart: 23. August

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