Drama

„Donbass“ im Kino

Gesetze der Korruption: Sergei Loznitsa erzählt vom Chaos in der Ostukraine

Salzgeber

Seit fünf Jahren befindet sich ein Teil der östlichen Ukraine unter der Kontrolle von „Separatisten“ und Befürwortern eines Anschlusses der Region an den östlichen Nachbarn Russland. Schon die ­Frage, ob man in der Angelegenheit von einem Konflikt oder einem Krieg sprechen soll, scheidet die Geister.

Vermutlich gibt es kaum einen berufeneren Künstler als den heute in Berlin lebenden Filmemacher Sergei Loznitsa, sich von der Situation im Donbass, wie die Region allgemein genannt wird, ein Bild zu machen. Sein neuer Spielfilm hebt vor ­allem die Unübersichtlichkeit hervor, die durch die neuen Regimes in den Großstädten Donetsk und Luhansk entstanden ist. So werden zum Beispiel unter dem Vorwand der Kriegsnotwendigkeiten die Eigentumsrechte flagrant verletzt: Ein Mann, dessen Auto gestohlen wurde, soll es nun offiziell an die neuen Machthaber überschreiben. Eine ­schöne Frau, die sich mit einem der Bosse arrangiert hat, versucht ihre Mutter aus einem Massenquartier herauszuholen, in das die Frau vor Artilleriebeschuss geflohen ist.

Für ein Publikum, das nicht im Detail schon aus den Medien über die Verhältnisse Bescheid weiß, wird manches schwer verständlich wirken – aber das ist wohl der Effekt, auf den Loznitsa mit seiner gewohnt vielschichtigen Erzählung abzielt: Im „Donbass“ herrschen letztendlich vor allem die Gesetze der Korruption, die auch in der Ukraine gelten, in härterer Form. Im inszenierten Chaos verschaffen sich die Rücksichtslosen ihre eigenen Vorteile.

Donbass UKR 2018, 121 Min., R: Sergei Loznitsa, D: Valeriu Andriuta, Boris Kamorzin, Thorsten Merten, Start: 30.8.

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