Künstlerporträt

„Don’t Blink – Robert Frank“ im Kino

Der eigenwillige Querdenker: „Don’t Blink“ heißt es für den berühmten Fotografen Robert Frank

Foto: Grandfilm

Stillsitzen ist seine Sache nicht. In ­einem alten Fernsehinterview erklärt der ­heute 92-jährige Robert Frank auch ­warum: Es sei schließlich normalerweise ­seine Aufgabe als Fotograf, anderen Leuten Anweisungen zu geben – die vertauschte Rolle im Interview ist ihm sichtlich unbehaglich.

Dabei hat der 1924 in Zürich geborene Frank, dessen bevorzugtes Motiv die ­Menschen sind („meist viel interessanter als Landschaften“), vermutlich nur sehr selten jemanden gebeten stillzusitzen: Seine künstlerischen Anfänge lagen in der Reportage, und sein Vorbild waren die ­Wochenschauen der „Fox Movietone News“ im Kino. Dem ­Charakter der Menschen in seinen Fotos nahe zu kommen, das war für ihn der Anspruch.

Für sein weltberühmtes Fotobuch „The Americans“ (1958) reiste Frank in den 1950ern quer durch die Vereinigten Staaten und fotografierte den Alltag von Menschen am Rande der Gesellschaft, möglichst, ohne dass diese sich der Kamera überhaupt bewusst wurden. Dabei verband er Fotojournalismus in der Tradition von Walker Evans mit der künst­lerischen Attitüde der Beat-Generation um Jack Kerouac („Unterwegs“), der auch das Vorwort zu „The Americans“ verfasste. „Dank dieser Reise begann ich, Amerika zu mögen“, sagt Frank und fügt hinzu, dass die zeit­genössischen Kritiker ihn angesichts seines Sujets eher für einen Amerika-Hasser ­hielten. Den künstlerischen Siegeszug des Buches konnten sie letztlich nicht verhindern.

„Just let it roll, just do it“, benennt Frank das Credo seiner damaligen Künstlerfreunde, und das passt dann ja auch wieder gut zum Nicht-Stillsitzen-Können. Der Dokumentarfilm von Franks langjähriger Mitarbeiterin Laura ­Israel porträtiert den Fotografen, sein Leben und seine Werke in einer dessen späteren Arbeiten nicht unähnlichen Filmcollage, und die ­fehlende Distanz zwischen Filmemacherin und Fotograf ist hier durchaus von Vorteil – denn ganz einfach ist Frank, der eigenwillige Querdenker, im Umgang offenbar nicht.

„I hate these fucking interviews“, hat er seinen Standpunkt schon am Beginn des Films deutlich gemacht und herrscht in ­einem Fernsehausschnitt einen ­Interviewer an, ob der denn vielleicht auch mal etwas Neues fragen könnte. Was übrigens nicht bedeutet, dass Robert Frank dann nicht doch ganz gern über sich und sein Werk Auskunft gibt.

„Ich liebe Fehler, oft funktionieren sie gut“, lautet Franks Motto, dem er auch treu blieb, als er seine künstlerischen ­Ambitionen auf Filme ausweitete. Die großen 35mm-­Kameras mochte er dabei nie, selbst Ton war ihm oft schon zu viel Aufwand. Am ­liebsten drehte er ohne viel Geld nach Art einer ­kleinen Reportage. Wobei sein berühmtester Film „Cocksucker Blues“ (1972), die Dokumentation einer Tournee der Rolling Stones, für die er auch das Cover ihres Albumklassiker „Exile on Main Street“ geschaffen hatte, lediglich eine sehr limitierte Verbreitung erfuhr: Die Stones versuchten die Veröffentlichung des Films gerichtlich zu verhindern, weil er das Sex, Drugs und Rock’n’Roll-Image der Band auf allzu drastische Weise illustrierte.
Robert Franks künstlerischem Ruf tat das keinen Abbruch, und wie man ein gutes Foto macht, das weiß er ja. Es ist ganz einfach: „Öffne deine Augen, wackle nicht und blinzle nicht.“

Don’t Blink – Robert Frank USA 2015, 82 Min., R: Laura Israel, Start: 13.4.

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