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Doppelter Bär bei den Filmfestspielen 2002

Bloody SundayDamit wurden zwei konträre, meisterlich umgesetzte Erzählformen gemeinsam ausgezeichnet: dokumentarischer Realismus einerseits und fantastisches Fabulieren andererseits.
Gerüchteweise gründete diese Entscheidung auf Uneinigkeit in der Jury unter Präsidentin Mira Nair. Doch schon der Umstand, dass „Bloody Sunday“ überhaupt im Berlinale- Wettbewerb lief, war ungewöhnlich.
Eigentlich eine TV-Produktion, war der Film bereits vor seinem Kinostart im Januar im britischen Fernsehen ausgestrahlt worden. Echten Streit gab es rund um die Beteiligten: Der Schauspieler James Nesbitt musste sich als „Nestbeschmutzer“ beschimpfen lassen, weil er, ein nordirischer Protes­tant, die Rolle des katholischen Demonstrationsführers Ivan Cooper übernommen hatte. Währenddessen lieferte sich Paul Greengrass Wortgefechte mit dem Drehbuchautor Jimmy McGovern, dessen thematisch verwandtes TV-Drama „Sunday“ (Regie: Charles McDougall) zeitnah ebenfalls seine Uraufführung erlebte.
Dieses ganze unfriedliche Für und Wider passt zu einem Film, der ein Ereignis aufarbeitet, das die englische wie die irische Gesellschaft auf je unterschiedliche Weise tief erschütterte. Nach wie vor beschäftigt der „Bloody Sunday“ Umso höher ist die Mitwirkung zahlreicher Engländer und Iren an dem Projekt einzuschätzen, die „The Troubles“ am eigenen Leib erlebt haben. Ihr Enga­ge­ment verleiht „Bloody Sunday“ seine ka­thar­tische, große Kraft.

Text: AS

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