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„Drachenmädchen“ im Kino

Drachenmädchen

1978, so erzählt der Leiter der nicht-staatlichen Kampfschule Shaolin Tagou, habe man mit zwei Schülern angefangen. Heute beherberge man 35?000 Schüler und Lehrer. Das in der Provinz Henan gelegene Institut ist die größte Kung-Fu-Schule Chinas. Xin Chengxi ist eine der vielen Schülerinnen, die sich hier täglich einem extrem harten Drill unterwerfen, um später einmal als gefragte Absolventinnen der Armut, in der ihre Eltern leben, zu entrinnen. Mit sieben Jahren hat Xin Chengxi angefangen, jetzt ist sie neun. „Heute bin ich groß“, sagt sie in Inigo Westmeiers beeindruckender Dokumentation „Drachenmädchen“ und gibt sich hart und zielbewusst. Was genau das Ziel der Schule ist, wird im Gespräch mit dem Leiter deutlich: Kollektives Bewusstsein bei gleichzeitiger Stärkung des Konkurrenzkampfes – so sollen sich die Absolventinnen der spezifisch chinesischen Kombination aus Kommunismus und Kapitalismus mehr als gewachsen zeigen. Kung Fu als Weg zum inneren Gleichgewicht, wie es von den Shaolin-Mönchen im Tempel gleich nebenan praktiziert wird, spielt da keine Rolle, ebenso wenig wie persönliche Freiheit. Die 17-jährige Huang Luolan hielt es nicht aus und lief weg: Etwas Besseres als Prügel und Bespitzelung in einem Gefängnis gibt es immer.

Text: Lars Penning

Foto: polyband Medien GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Drachenmädchen“ im Kino in Berlin

Drachenmädchen, Deutschland 2012; Regie: Inigo Westmeier; 94 Minuten; FSK 6

Kinostart: 28. Februar

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