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Das Drama „Gnade“ mit Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr

GnadeHammerfest ist eine Siedlung im hohen Norden Norwegens. Hier herrschen im Winter die Gesetze der Polarnacht. Es wird den ganzen Tag nicht hell, das Leben sucht Schutz vor einer eisesstarren Welt. Ein deutsches Paar hat sich in diese Abgeschiedenheit geflüchtet, weil es im Alltag daheim nicht mehr so richtig geklappt hat: Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmayr) sind in einer Beziehungskrise, der Sohn beobachtet sie aus mürrischer Distanz. Damit Matthias Glasner den Titel seines Films „Gnade“ rechtfertigen kann, muss etwas passieren. Maria verschuldet einen Verkehrsunfall, sie begeht Fahrerflucht und hat nun das Leben eines Mädchens auf dem Gewissen. Sie teilt sich Niels mit. Wie wirkt sich das Geschehene auf die erschöpfte Liebe des Paares aus? Wie gehen Niels und Maria mit ihrem Geheimnis um?

Matthias Glasner, der mit Filmen wie „Der freie Wille“ gezeigt hat, dass er zu den deutschen Filmemachern mit dem stärksten Willen zum Pathos gehört, setzt in „Gnade“ stark auf die Attraktion der polaren Landschaft. Die Luftaufnahmen sind faszinierend, sie zeugen aber auch von einem abgehobenen Blick, der nicht so richtig in ein Verhältnis zu der Intimität des Dramas von Niels und Maria findet. Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr sind zwei starke Schauspieler, die hier sichtlich Mühe mit den Nuancen haben, die ihre Gefühlslage eigentlich erfordert. Sie spielen forciert, wirken aber manchmal fast hölzern, sie suchen in den Registern ihres Könnens nach etwas, was diese Figuren lebendig machen könnte, finden aber nur ihre eigenen Klischees. Und so entsteht aus der Spannung zwischen Seelenqualen und erhabener Natur gerade nicht das, was Matthias Glasner sich wohl vorgestellt hat: Der Sprung ins (filmisch wie existenziell) Außergewöhnliche, den der Titel „Gnade“ ja suggeriert, erschöpft sich in einem unentschlossenen Anlauf.   

Text: Bert Rebhandl

Foto:Alamode Film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Gnade“ im Kino in Berlin

Gnade, Deutschland/Norwegen 2012; Regie: Matthias Glasner; Darsteller: Jürgen Vogel (Niels), Birgit Minichmayr (Maria), Henry Stange (Markus); 132 Minuten; FSK 12

Kinostart: 18. Oktober 

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