Dokumentarfilm

„Draußen“ im kino

Porträts von Menschen, die Draußen leben

Foto: Thekla Ehling

Menschen ohne Obdach haben häufig alles bei sich, was sie besitzen. Es erfordert eine eigene Kunstfertigkeit, mit diesen Dingen umzugehen. So wirkt es auch nur für einen ­Moment überraschend, dass das Wort „Ordnung“ für jemand, der unter einer Brücke lebt, sehr große Bedeutung hat.

In dem Dokumentarfilm „Draußen“ von Johanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht kann man vier Menschen kennenlernen, die „draußen“ leben: nicht „auf der Straße“, wie man häufig sagt, sondern unter jeweils besonderen, den Verhältnissen der Not angepassten Bedingungen. Matze, Peter, Sergio, Elvis – vier unterschiedliche Geschichten, und zwar auch in dem Sinne, dass sie lange zurückreichen, zum Beispiel in eine Zeit, in der es relativ leicht möglich war, schwule Männer auszurauben, weil damals der sexuelle Kontakt mit einem Stricher noch illegal war.

Drogen, Prostitution, Heimerfahrung – die ­Lebensläufe haben Ähnlichkeiten, alle Protagonisten besitzen aber eine Würde, die durch die Inszenierungen der beiden Filmemacherinnen auch eine ästhetische ­Dimension ­gewinnt: Sie verleihen den aktuellen Lebensumständen des „Draußens“ immer wieder die Charakteristik von theatralischen Räumen. Selbst- und Fremdinszenierung gehen ineinander über, die starken Selbstauskünfte der Männer werden aufgehoben in einen Film, der mehr sein will als eine bloße Sozialreportage: eine Interpretation des „In-der-Welt-Seins“ von Außenseitern.

Draußen D 2018, 80 Min., R: Johanna Sunder-Plassmann, Tama Tobias-Macht, Start: 30.8.

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