Kino & Stream

Drei Fragen an Roger Michell

Le Weekend

tip Mister Michell, dies ist bereits Ihr dritter Film, der auf einem Originaldrehbuch von Hanif Kureishi basiert. Ruft er Sie an und sagt, er habe ein neues Drehbuch fertig?
Roger Michell Nein, er ruft mich an und sagt, er habe eine Idee für ein neues Drehbuch. Dann setzen wir uns zusammen und arbeiten daran. Das kann manchmal mehrere Jahre dauern. Wir treffen uns regelmäßig. Was er schreibt, schickt er mir. Dann lesen wir es uns laut vor. Diesen Film begannen wir, indem wir für ein paar Tage mit dem Zug nach Paris fuhren und uns wie ein lange verheiratetes Paar verhielten. Wir zwei haben unterschiedliche Sensibilitäten. Ich habe das Gefühl, wir sind da wie Lennon und McCartney. Ich bin McCartney – obwohl der ja immer Lennon sein wollte. Den Film haben wir dann komplett an realen Orten gedreht, es gab nur eine Ausnahme: das Innere von Sacre Coeur, wo überhaupt keine Filmaufnahmen gestattet sind. Deshalb nutzten wir dafür eine andere Kirche.

tip Sie haben mit einem kleinen Team gearbeitet, sodass Sie alle in das Hotelzimmer hineinpassten?
Roger Michell Ja, das wollten wir von vornherein. Dies ist ein sehr kleiner Film, er hat nur etwa zwei Millionen Euro gekostet. Es war unsere Absicht, ihn ähnlich zu drehen wie die Filme der Nouvelle Vague. Ohne Generator, nur mit natürlichem Licht und Handkamera, oft auch ohne Genehmigung auf der Straße. Das geht natürlich nur, wenn man so klein ist.

tip Mit Jim Broadbent und Lindsay Duncan hatten Sie zwei renommierte Schauspieler zur Verfügung.
Roger Michell Ich kenne beide schon einige Zeit, Lindsay seit über 30 Jahren. Und ich wusste, dass sie sich kannten und gegenseitig respektierten. Und dass sie in dem Fernsehfilm „Longford“ ein Ehepaar gespielt hatten – wenn auch ein ziemlich anderes als hier. So war ich sehr zuversichtlich, dass sie ein Paar darstellen konnten, das seit 30 Jahren zusammenlebt. Wir wollten eine Art Anthropologie der Ehe zeigen, die beiden sprechen kaum noch miteinander, sie murmeln mehr vor sich hin, sie fühlen sich wohl miteinander, regen sich aber auch leicht über den anderen auf.

Interview: Frank Arnold

Foto: 2013 PROKINO Filmverleih GmbH

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Le Weekend“ im Kino in Berlin

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