Roadmovie

„Drei Gesichter“ im Kino

Treffen der ­Generationen – Zwischen Wirklichkeit und Fiktion: Jafar Panahis neuer Film

Jafar Panahi Film Production

Über einen Messenger-Dienst bekommt die bekannte iranische Schauspielerin Behnaz Jafari ein Video: Zu sehen ist ein Mädchen namens Marziyeh, das Vorbereitungen dafür trifft, sich das Leben zu nehmen – aus Verzweiflung darüber, dass sie keine Chance für sich sieht, Schauspielerin zu werden wie ihr Idol. Und so macht sich Behnaz Jafari zusammen mit Jafar Panahi, dem bekannten Filmemacher, auf den Weg, um die Wahrheit über Marziyeh herauszufinden. In einer abgelegenen Gegend in den Bergen fragen sie sich durch, bis sie zur ­Familie von Marziyeh kommen.

Überall wird Behnaz Jafari erkannt – wie es im iranischen Kino so häufig der Fall ist, über­lagern sich in „Drei Gesichter“ Wirklichkeit und Erfindung. Der Regisseur, der immer noch offi­ziell Berufsverbot hat, spielt sich selbst, und das gilt auch für Behnaz Jafari – man muss sich ihre Wirkung auf die Menschen in dem Dorf etwa so vorstellen, als würde bei uns eine „Tatort“-Kommissarin in einer Kneipe in Thüringen auftauchen.
Der Sinn der Sache (natürlich ist die Geschichte doch erfunden) reicht tief: Panahi macht sich Gedanken über das Starsystem im Iran. Der ist zweifellos ein fundamentalistischer Staat, zugleich aber auch eine große Filmnation. ­Panahi führt in „Drei Gesichter“ drei Generationen des iranischen Kinos zusammen, eine fast vergessene Diva aus der Zeit vor der Revolution kommt ins Spiel. So entwickelt sich ein spannender Film über eine kaum bekannte Welt, mit großartigen Landschaften und Stimmungen, mit Reflexionen über die Verbindung von Prominenz und Verantwortung.

Drei Gesichter Iran 2018, 100 Min., R: Jafar Panahi, D: Behnaz Jafari, Jafar Panahi, Marziyeh Rezaei, Start: 26.12.

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