Dokumentarfilm

„Dries“ im Kino

Understatement: Ein Porträt des Modeschöpfers Dries van Noten

Foto: Prokino

„Man sollte ein neues Wort für Mode erfinden“, sagt der belgische Modeschöpfer Dries van Noten an einer Stelle dieses dokumentarischen Porträts über ihn und seine Arbeit einmal. Denn ihm missfällt das Vergängliche, das der Mode innewohnt, der kurzfristige Trend. Neu erfinden könne man sowieso nichts mehr, meint er, allenfalls etwas verfeinern. Und da es schon alles gäbe, könne man auch mit nichts mehr schocken. Exzentrisch und flamboyant mögen Adjektive sein, die auf Mitbewerber in seiner Branche und ihre Kreationen zutreffen, aber ganz sicher nicht auf den adretten, etwas pedantischen Endfünfziger, der schon in seinem eigenen Erscheinungsbild jenes Understatement verkörpert, das seine Mode definiert. Tragbar soll sie sein, im besten Fall sich entwickeln mit der Persönlichkeit ihres Trägers oder ihrer Trägerin. Der Regisseur Reiner Holzemer hat Dries eine Weile bei seiner Arbeit begleitet, zeigt ihn mit seinen Mitarbeitern bei der Vorbereitung einer neuen Kollektion, bei der Auswahl der Stoffe, die dem Modeschöpfer stets ein so großes Anliegen ist, und in der Hektik der Modeschauen. Vor allem aber steht Dries in Interviews ausführlich Rede und Antwort, schaut sich dabei Filme von Präsentationen seiner alten Kollektionen an und kommentiert die eigene Entwicklung auch im Vergleich mit den Trends der letzten Jahrzehnte: eine kleine und kluge Geschichte der Mode der letzten dreißig Jahre.

Dries D/B 2017, 90 Min., R: Reiner Holzemer, Start: 29.6.

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