Kriegsdrama

„Dunkirk“ im Kino

Packendes Kino als physische Erfahrung in Dunkirk

Foto: Warner

Über die Wirkung von Kriegsfilmen hat der US-Filmemacher Samuel Fuller gesagt, dass man dem Publikum eigentlich mit echten Kanonen über den Kopf schießen müsste, um zu wirken. Mit diesem Kriegsdrama über die Evakuierung allierter Truppen aus dem von der Wehrmacht 1940 eingeschlossenen Dünkirchen, hat Christopher Nolan jetzt ein wirkungsvolles Äquivalent zu Fullers Vorgabe geschaffen: ein 106-­minütiges Bild- und Tonbombardement.
Ohne viele Dialoge erzählt Nolan die Evakuierungsaktion in drei Handlungssträngen auf drei Zeitebenen: eine Woche, in der ein britischer Soldat (Fionn Whitehead) versucht, dem ­Inferno an der Kanalküste zu entkommen; ­einen Tag, an dem ein mit drei Personen besetztes Privatboot – wie Hunderte andere – den Kanal überquert, um den Eingeschlossenen zu helfen; und eine Stunde, in der sich britische Flieger Kämpfe mit der deutschen Luftwaffe liefern. Dabei wird die Zeit nach Belieben komprimiert und gedehnt, so dass der Eindruck einer Gleichzeitigkeit entsteht.
So beeindruckend wie die Bilder ist auch der Sound, die Geräusche mit dem düsteren Hans-­Zimmer-­Score verbindet: Grollende Bass­frequenzen, spitzes Dauerstakkato und er­barmungsloses (Uhren-)Ticken zielen auf Magengrube und Nervenkostüm ab. In seiner Unmittelbarkeit ist „Dunkirk“ einer der besten Kriegsfilme – daran ändert auch das Pathos am Ende nichts, mit dem die Briten eine militärische Katastrophe in einen immer etwas verlogen ­wirkenden „Wir lassen uns nicht unterkriegen“-Triumph umwandeln.

Dunkirk GB/USA/F 2017, 106 Min., R: Christopher Nolan, D: Fionn Whitehead, Tom Hardy, Start: 27.7.

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