Melodram

„Ein Chanson für dich“ im Kino

Leicht könnte man dieses nur vordergründig leichtgewichtige Melodram des belgischen Regisseurs Bavo Defurne („Nordzee, Texas“) als schnöden Kitsch abtun

Foto: Alamode Film/ Fabrizio Maltese

Dabei tänzelt die Geschichte um eine ehemalige Fast-Gewinnerin beim Eurovision-Schlagerwettbewerb, die heute anonym in einer Pastetenfabrik arbeitet, so gewagt wie gekonnt im Niemandsland zwischen Groschenroman, tragischer Musical-Geste und Alltagstragik.
Natürlich profitiert der völlig angstfreie und sich fast naiv gebende Film davon, dass die große Isabelle Huppert die Hauptrolle übernommen hat. Ihre Liliane hat damals nur knapp – gegen Abba! – verloren und sich, inzwischen schon über sechzig, mit ihrem unglamourösen Leben in der Fabrik abgefunden. Nun wehrt sie sich entschieden gegen die Bemühungen des sehr viel jüngeren Nachwuchsboxers Jean, der nicht nur ihr Herz erobern, sondern auch ihre jäh abgebrochene Karriere neu anleiern will. Das Leben ist zwar kein Musical, aber wie Huppert hier eine weniger grelle Variante ihrer Rolle aus „Elle“, wie der junge Kévin Azaïs mit unerbittlichem Charme den jungen Fan, Liebhaber und Manager gibt – das ist so komisch wie berührend anzusehen.

Souvenir (OT) B/LUX/F 2016, 90 Min., R: Bavo Defurne, D: Isabelle Huppert, Kévin Azaïs, Start: 6.7.

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