Dokumentarfilm

„Ein deutsches Leben“ im Kino

Das Bild zeigt jede Furche in ihrem Gesicht, in hartem, glänzenden Schwarz-weiß. Brun­hilde Pomsel (1911-2017) war eine der Sekretärinnen von Reichspropagandaminister ­Goebbels und zum Zeitpunkt des Drehs eine der letzten Zeitzeuginnen aus seinem engsten Zirkel

Foto: Salzgeber/ Blackbox Film

„Ein deutsches Leben“ ist ein Film, der den Nationalsozialismus aus der Innensicht eines seiner Machtzentren dokumentiert, wie vor ihm bereits „Im toten Winkel: Hitlers ­Sekretärin“ (2002).
Glaubt man Pomsels Bericht, der weniger analytisch als anekdotisch ist, dann war sie eine prototypische Mitläuferin eines Systems, das sie erst nach 1945 als mörderisch erkennen wollte. Im Film werden keine (hörbaren) Fragen an sie gestellt, sondern man lässt sie im schwarzen Studio erzählen. Dazwischen: Bilder aus Wochenschauen und Propagandafilmen, als Kommentare und Illustrationen, nicht als Analysematerial. Die Großaufnahmen ihres Gesichts werden so zur doppelten ­Metapher: Wird hier genau hingesehen? Oder bleibt der Film nur an der Oberfläche?
Wer in Pomsels Innenwelt eintritt, findet ­Gefühle zwischen Nüchternheit und mädchenhafter Unsicherheit. Dies ist auch ein Film über die Grenzen der Selbsterforschung. Pomsel war nach 1945 jahrelang in sowjetischen Lagern inhaftiert, ab 1950 arbeitete sie für die ARD als Chefsekretärin. Vom Abschütteln der Vergangenheit erfährt man wenig. „Gott gibt es nicht, aber den Teufel gibt es“, sagt sie spät einmal, und hat erstmals auch einen Tränenschimmer in den Augen. „Es gibt aber keine Gerechtigkeit.“

Ein deutsches Leben A/D 2016, 113 Min., R: Christian Krönes, Florian Weigensamer, Olaf Müller, Roland Schrotthofer, Start: 6.4.

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