Tragikomödie

„Ein Dorf sieht schwarz“ im Kino

Examensfeier! Den jungen Ärzten steht die Zukunft offen – nur Seyolo Zantoko hat die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder er geht mit seinem französischen Medizin­examen zurück in den Kongo, oder er nimmt die einzige Stelle an, die ihm in Frankreich angeboten wird – in dem Kaff Marly-Gomont, irgendwo im Norden in der Picardie. Seyolo holt seine Familie nach Frankreich.

Foto: 2017 PROKINO Filmverleih

Als schwarzer Arzt hatte man es in der französischen Provinz im Jahre 1975, in dem der Film nach einer wahren Geschichte spielt, nicht unbedingt leichter als heute. Vorurteile, Missverständnisse und Rassismus werden zum Alltag der Arztfamilie. Die Kinder Kamini und Sivi werden in der Schule gehänselt, die Praxis bleibt leer. Auch der Rat des weisen Bauern Jean, sich in der Kneipe unter die ­Leute zu mischen, ­fruchtet nicht allzuviel. Die Dörfler bleiben ­reserviert. Zumal einer der Bürgermeisterkandidaten eine Verleumdungskampagne gegen die Neuen fährt.
„Ein Dorf sieht schwarz“ ist komödiantisch angelegt, verschweigt aber auch nicht, dass die Situation für Seyolo und seine Familie ­weniger lustig und bald existenzbedrohend ist – Seyolos Sohn Kamini, der vor zehn Jahren mit „Marly-Gomont“ einen Rap-Hit hatte, war am Drehbuch beteiligt. Parallelen zur heutigen Situation sind da mitgedacht, werden aber immer familientauglich aufgefangen. Trotz einiger allzu klischeehafter Szenen gelingt die Balance zwischen ernsthaftem Anliegen und französischer Prädikatskinounterhaltung ganz famos.

Bienvenue à Marly-Gomont (OT) F 2016, 94 Min., R: Julien Rambaldi, D: Marc Zinga, Aïssa Maïga, Bayron Lebli, Start: 20.4.

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