Nackig in der Normandie

„Ein Dorf zieht blank“ im Kino

Eigentlich sind die Landwirte in der Normandie ohnehin schon blank. Die ständig fallenden Fleisch- und Milchpreise werden ihnen von den Großhändlern diktiert, jedes Jahr müssen Höfe aufgegeben werden, bringen sich Bauern aus Verzweiflung um. Vor diesem dramatischen Hintergrund inszeniert Philippe Le Guay eine sanfte Komödie, die mit einer Autobahnblockade der aufgebrachten Bauern beginnt und mit einem Massennacktfoto auf einem umstrittenen Feld endet.

Concorde Filmverleih

Der Weg bis zum kollektiven Nackigmachen aber ist beschwerlich, und bis dahin verliert der Film sein ernsteres Thema ein wenig aus den Augen. Denn eigentlich ergreift Balbuzard, der Bürgermeister des im Mittelpunkt stehenden Dorfes, das Angebot des berühmten US-amerikanischen Fotografen, die Dorfbewohner ohne Hüllen in der Natur abzulichten, nur als letzten Strohhalm, um auf die Misere der Landwirte hinzuweisen.

Nachdem der skurrile Fotokünstler Newman (Paraderolle für Toby Jones, dessen Vorbild der Nacktfotokünstler Spencer Tunick gewesen sein dürfte) sich eine bestimmte Wiese für sein Projekt ausgesucht hat, soll „Balbu“ (immer gut: François Cluzet) seine eher prüden Dörfler dazu überreden, sich an einem bestimmten Tag komplett nackt auf der Wiese fotografieren zu lassen. Was größtenteils auf Ablehnung stößt – bis hin zu einer handfesten Attacke auf den energischen Bürgermeister. Zwischenzeitlich entwickelt sich eine Liebesgeschichte, erfahren wir etwas von der Alliiertenlandungsgeschichte der Normandie, besprüht ein vegan orientierter Teenager die Metzgerei. Und dann will sich der in der Pflicht stehende Bürgermeister gar aufhängen. Bittere Untertöne in einer leicht zerfaserten Gesellschaftskomödie, die sonst eher an britische Nudie-Hits wie „Kalender Girls“ und „Ganz oder gar nicht“ erinnert.

Ein Dorf zieht blank, F 2018, 105 Min., R: Philippe LeGuay, D: François Cluzet, Toby Jones, François-Xavier Demaison, Start: 16.8.

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