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Ein Gespräch mit Seinfeld-Erfinder Larry David

tip Sie haben noch nie die Hauptrolle in einem Kinofilm übernommen. Als Woody Allen Ihnen den Part in „Whatever Works“ angeboten hat, waren Sie da eingeschüchtert?
David Ja, absolut, denn ich habe zuvor nichts in dieser Größenordnung gespielt und wollte natürlich den Film nicht kaputtmachen. Als ich ihn angerufen habe, habe ich ihm gesagt: „Ich weiß nicht, ob ich das tun werde. Wenn du einen Schauspieler wie Al Pacino engagierst, hat der einiges zu bieten. Ich hingegen komme und habe nichts – nur das, was ich in meiner Serie mache.“ Und er antwortete: „Das ist genau das, was ich will.“ Er sagte, es sei nichts, was ich nicht in den Griff kriegen könnte.

tip Wenn Allen die Hauptrolle in seinen Filmen nicht selbst übernimmt, sind etwa Kenneth Branagh in „Celebrity“ oder Jason Biggs in „Anything Else“ damit beschäftigt, ihn zu imitieren. Bei Ihnen hatte ich diesen Eindruck nicht.
David Ich habe einfach so viel Erfahrung, mich selbst zu spielen und kenne meine Stimme sehr gut, dass ich nicht in diese Falle geraten bin. Ich habe es nie in Betracht gezogen.

tip Besteht aber nicht doch ständig die Gefahr, dass man so wie Allen spielt, wenn man mit ihm dreht und sein Alter Ego verkörpert?
David Für mich gar nicht. Es ist mir kein einziges Mal passiert. Es gab nur einmal einen Moment während der Dreharbeiten, als er damit nicht ganz zufrieden war, wie ich eine bestimmte Dialogzeile gesprochen habe. Dann habe ich ihm gesagt: „Zeig’s mir, und ich mache es wie du.“ Und er hat’s getan.

tip Was haben Sie denn vorher mit Allen über den Yellnikoff-Charakter besprochen?
David Gar nichts. Ich habe das Drehbuch gelesen und wusste sofort, was für ein Typ der ist. Schließlich bin ich auch in Brook­lyn aufgewachsen, lebte lange in Manhattan und habe sogar einen Onkel, der so ist wie er.

tip Ihre Dialoge in „Whatever Works“ klingen so, als würden Sie aus der Seele sprechen. Waren die zumindest teilweise improvisiert wie die Dialoge in „Curb Your Ent­husiasm“?
David Nein, die Dialoge sind so, wie sie von Allen geschrieben wurden. Er gibt dir aber die komplette Freiheit, zu tun, was du willst. Yellnikoff hat allerdings eine bestimmte Art zu reden, und er ist weitaus eloquenter als ich. Deshalb habe ich bis auf einen misslungenen Versuch auch nicht improvisiert.

tip Wo stößt denn Ihr schauspielerisches Können an seine Grenzen?
David
Ich weiß nicht. Für Shakespeare wäre ich nicht geeignet. So viel ist sicher.

tip Sie teilen mit Woody Allen einen speziellen, jüdischen Humor. Hat das seinen Ursprung in Brook­lyn, wo Sie beide aufgewachsen sind?
David Ich bin sicher, dass er ebenso von dieser Umgebung beeinflusst wurde wie ich. Wenn meine Familie nach Oklahoma gezogen wäre, als ich zehn Jahre alt war, wäre ich dann derselbe? Ich weiß nicht, das ist schwierig zu sagen.

tip Warum hinterlässt gerade Brook­lyn solche Spuren?
David Da leben viele Juden über- und nebeneinander in engen Apartmenthäusern, und das führt automatisch zu Humor: die Schreierei und das Gebrüll, die fehlende Privatsphäre und all die witzigen Persönlichkeiten. Es ist eine lustige Um­gebung zum Aufwachsen.


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