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Ein Gespräch mit Seinfeld-Erfinder Larry David

Larry David in

tip Mr. David, in Woody Allens „Whatever Works“ verkörpern Sie erneut einen hypochondrischen, pessimistischen und sarkastischen Neurotiker. Die Ähnlichkeiten mit Ihren Alter Egos aus der legendären Sitcom „Seinfeld“ und Ihrer aktuellen Serie „Curb Your Enthusiasm“, in der Sie auch die Hauptfigur spielen, sind unübersehbar. Wie nah ist Ihnen diese Figur denn wirklich?
Larry David Die Leute denken wahrscheinlich, ich wäre so wie in meiner Fernsehserie. Aber ich bin gar nicht so. Unglücklicherweise. Ich wünschte, ich wär’s.

tip Was hindert Sie denn daran?
David Dann würde ich wahrscheinlich im Gefängnis landen oder gesteinigt werden. Unglücklicherwei­se gibt es in der Gesellschaft Regeln, die wir alle befolgen müssen.

tip Als Sie vor einigen Jahren Nachwuchs bekommen haben, haben Sie in einem Interview gesagt: „Ich habe jetzt dieses leere Leben 40 Jahre lang gelebt. Nun kann ich das weitergeben und sicherstellen, dass das Unglück noch mindestens eine Generation weitergeht.“
David (lacht lauthals) Das ist nicht nur sehr lustig, sondern auch noch wahr.

tip Diese Zeilen hätten auch Larry David in „Curb Your Ent­hu­siasm“, George Costanza in „Seinfeld“ oder jetzt auch Boris Yell­nikoff aus „Whatever Works“ sagen können, die alle Ihre offenbar sehr pessimistischen Weltsichten ins Fernsehen und ins Kino tragen.
David Das stimmt. Derzeit ist meine eigene Gemütslage aber eigentlich recht gut. Ich bin guter Stimmung. Es wird oft gesagt, dass ich unglücklicher wäre, als ich eigentlich bin.

tip Haben Sie keine Angst, dass Psychotherapie, Zufriedenheit und Glücklichsein Ihre Kreativität zerstören könnten?
David Davor hatte ich tatsächlich immer Angst. Aber nein, das hat überhaupt keinen Effekt darauf. Ich habe mal eine Therapie gemacht und fand sie ziemlich deprimierend. Jedes Mal habe ich mich danach schlechter gefühlt als vorher. Dieses sich In-sich-Vertiefen und Herausfinden, wer man ist, war für mich etwas abstoßend.

tip Sie haben die Therapie also nicht so lange durchgehalten wie Woody Allen?
David Nein, nicht mal ein Jahr.

tip Können Sie sich erklären, warum Sie so viel Erfolg mit Charakteren haben, die eigentlich unausstehlich sind?
David Ich habe dafür auch keine Erklärung. Irgendwie mögen mich die Menschen, auch wenn ich einen Unsympathen verkörpere, und dafür bin ich sehr dankbar. (lacht) Ich habe allerdings keine Ahnung, wie mir das gelingt. Wahrscheinlich mögen die Leute die Ehrlichkeit und finden sich beispielsweise ir­gendwie in TV-Larry – also der Fernsehversion meiner selbst, die ich in „Curb Your Enthusiasm“ verkörpere – wieder. Es passiert ganz oft, dass Menschen zu mir kommen und sagen: „Ich bin wie Sie!“ Oder: „Meine Schwester ist wie Sie.“

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