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Ein Interview mit Adиle Exarchopoulos und Lйa Seydoux

Blau ist eine warme Farbe

tip Frau Exarchopoulos, Sie sind in jeder Szene eines dreistündigen Films präsent. Ist das eine Belastung?
Adиle Exarchopoulos Na, es erfüllt dich auch mit Stolz – erst recht bei einem Film, der die Goldene Palme gewinnt! Aber es ist ein Vergnügen zu spüren, dass der Regisseur deinem Instinkt vertraut. Es ist also eher eine Verantwortung als eine Last. Aber du brichst auch mal zusammen. Ich hatte oft Angst, nicht auf der Höhe der Rolle zu sein, ich fürchtete ständig, Abdel, Lйa, das Team oder mich selbst zu enttäuschen.

tip Welche Szenen haben Ihnen besonders Angst gemacht?
Adиle Exarchopoulos Vor allem die Unterrichtsszenen im zweiten Teil, in denen ich mich auf all die unterschiedlichen Kinder einstellen musste. Ich mochte sie alle sehr, wollte Nähe zu ihnen herstellen, musste aber eine Autorität für sie bleiben. Da ging es um die richtige Distanz. Die Trennungsszene fiel mir auch sehr schwer.

tip Lйa, in „Leb wohl, meine Königin“ hatten Sie die eindeutige Hauptrolle. Hier hingegen gewinnt Ihre Figur eigentlich erst nach einer Stunde wirkliche Präsenz. Was ist schwieriger?
Lйa Seydoux Ich weiß nicht. Bei der „Königin“ war es schön, die Figur Szene für Szene entwickeln zu können. Aber jeder Film ist anders. Und dieser Film unterscheidet sich von allen anderen. Bei Dreharbeiten kann man normalerweise sein eigenes Leben weiterführen, seine Freunde sehen. Da ist es manchmal schwer, wieder in den Film und die Figur hineinzukommen. Aber hier gab es keine Drehpausen. Ich stieß nach etwa einem Monat dazu und blieb die ganze Zeit über dabei, auch wenn ich, anders als Adиle, nicht jeden Tag drehen musste. Aber ich stand auf Abruf, weil sich der Drehplan ständig ändern konnte. Das waren sehr intensive fünfeinhalb Monate, die ich mit dem Film verbringen musste.

tip Nach den Dreharbeiten haben Sie beide sich heftig über seine Arbeitsweise beklagt. Wann kippte die Stimmung um, von welchem Moment an fühlten Sie sich ausgebeutet?
Lйa Seydoux Das war kein bestimmter Moment. Es fällt mir schwer, über den Film zu sprechen, weil so viel fehlt. Der Film, der nun existiert, hat weniger Farben als der, den wir gedreht haben.
Adиle Exarchopoulos Adиles Familie hatte mehr Raum. Ich war enttäuscht, dass die Szene fehlt, in der ihre Eltern entdecken, dass Emma und sie ein Liebespaar sind. Der Bruch mit ihrer Familie war heftig: das erste Opfer, das Adиle für ihre Liebe bringt. Aber für den Film war das vielleicht die richtige Entscheidung.

Interview: Gerhard Midding

Fotos: Alamode Film

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Lesen Sie hier die Filmkritik: „Blau ist eine warme Farbe“ im Kino in Berlin

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