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Ein Interview mit Amy Schumer

Amy Schumer in

tip Miss Schumer, nicht erst seit „Dating Queen“ gelten Sie als Speerspitze der feministischen Comedy. Können Sie damit leben?
Amy Schumer?Bei der Speerspitze bin ich nicht sicher. Aber mit dem Rest auf jeden Fall. Denn ich bin Feministin, keine Frage. Ich glaube fest an gleiche Rechte und Möglichkeiten für absolut alle Menschen. Dagegen, dass man mir nun dieses Label verpasst, habe ich also wirklich rein gar nichts einzuwenden. Ist doch eine tolle Gelegenheit, dass das Spotlight nun auf mir liegt. Denn ich habe dazu ja etwas zu sagen.

tip Sie sehen sich da also gerne als Vorbild?
Amy Schumer Ich nehme die Verantwortung zumindest ­gerne auf mich. Zumal ich denke, dass junge Frauen – oder wem auch immer ich als Vorbild diene – bei mir in guten Händen sind. Ich habe wirklich beste Absichten und weiß, wovon ich spreche. Das netteste Kompliment, das mir einmal gemacht wurde, kam von einer Frau, die meinte, sie hoffe, dass ihre Tochter so ­würde wie ich. Schwer zu glauben, hat sie aber tatsächlich gesagt.

Amy Schumertip Suchen Sie sich denn gezielt gesellschaftspolitische, womöglich kontroverse Themen, um Ihr Publikum aufzurütteln?
Amy Schumer Nicht zwangsläufig. Ich versuche nicht mit aller Macht, Debatten anzustoßen. Und wenn ich keinen Weg finde, einen wirklich guten Gag zu einem Thema zu machen, dann lasse ich es auch wieder fallen. Aber wenn es mir gelingt, dann umso besser. Denn es gibt schon vieles, was mir unter den Nägeln brennt, und Humor ist immer ein guter Weg, dem Publikum ein Anliegen nahezubringen. Die Gamergate-­Affäre etwa, wo es um Sexismus im Videospielbereich ging, oder auch die Art und Weise, wie die Gesellschaft allgemein und unsere ­Branche im Besonderen mit Frauen jenseits einer gewissen Altersgrenze umgeht – das musste ich in meiner Sendung „Inside Amy Schumer“ einfach thematisieren.

tip Von Melissa McCarthy über Amy Poehler bis Kristen Wiig wird das Komödienfach dieser Tage von Frauen dominiert. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Amy Schumer Irgendwie sehe ich das gar nicht so sehr als neue Entwicklung. Schon in meiner Jugend habe ich am häufigsten über Frauen gelacht, von Lucille Ball über Carol Burnett bis „Laverne & Shirley“. Mir fiel nie auf, dass da ein Mangel herrscht. Aber vielleicht war ich da auch immer in meiner kleinen New Yorker Blase. Über die Zustände in Hollywood kann ich schließlich noch gar nicht so viel sagen, denn „Dating Queen“ ist ja meine erste Hauptrolle.

tip Aber es muss Momente in Ihrer Karriere gegeben haben, in denen Ihnen auffiel, dass Sie stets als „female comedian“, nie bloß als „comedian“ bezeichnet werden…
Amy Schumer Da haben Sie recht. Das ist tatsächlich ständig so. Ich ertappe mich selbst oft dabei, wenn ich zum Beispiel eine Polizistin sehe, dass ich mich frage, wie sich ihr Alltag wohl von dem ihrer männlichen Kollegen unterscheidet. Nichtsdestotrotz finde ich den permanenten Zusatz „weiblich“ in der Tat etwas nervig und unnötig. Denn ich habe nicht den Eindruck, dass die Gefahr besteht, man könne mich nicht für eine Frau halten.

Dating Queentip Was macht Sie witzig?
Amy Schumer Oh bitte… Wenn ich das erklären müsste, ­würde ich kotzen. Im Ernst. Das kann man doch nicht selbst beschreiben, oder?

tip Dann lassen Sie es mich anders formulieren: Worauf beruht Ihre Comedy?
Amy Schumer In erster Linie auf der Wahrheit. Ich sage einfach, wie es ist. Natürlich geht es darum, etwas so pointiert wie möglich zu sagen. Und manchmal auch darum, ganz bewusst möglichst unpassende Sachen zu sagen. Aber das Wichtigste ist auf jeden Fall, dabei immer ehrlich zu bleiben. Und das alles muss mich auch selbst zum Lachen bringen.

tip War es denn dann – beim Schreiben wie beim Spielen – eine große Umstellung, statt einer Sketchshow fürs Fernsehen plötzlich einen Kinofilm zu verantworten?
Amy Schumer Gar nicht so sehr, wie man denken könnte. Der größte Unterschied war das deutlich höhere Budget. Plötzlich musste ich nicht mehr nur Szenen schreiben, die in einem Kirchenkeller, meinem Apartment oder anderen engen, ­günstig zu organisierenden Räumen spielen. Alles konnte eine Nummer größer sein. Und Judd Apatow hat dann sogar noch einmal alles größer gemacht.

tip In welchem Stadium kam Apatow eigentlich mit an Bord?
Amy Schumer Er gab überhaupt erst den Ausschlag für „Dating Queen“, denn er war es, der mich er­mutigte, ein Drehbuch für einen Film zu schrei­ben. Eine bessere Ermutigung und Initial­zündung hätte es gar nicht geben ­können. Anfangs wollte er den Film eigentlich nur produzieren. Dass er dann auch die Regie übernommen hat, war Gold wert. Hätte ich nie zu hoffen gewagt. Er ist jetzt so etwas wie ­meine gute Fee, die mich in einen Filmstar verwandelt hat!

Interview: Patrick Heidmann

Fotos: Mary Cybulski / Universal Pictures

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Dating Queen“ im Kino in Berlin

Die Komödiantin
Amy Schumer geboren 1981 in ?New York City

Berufe
Schauspielerin, Drehbuchautorin, Stand-up-Komödiantin

Karriere
Wichtigste Station ihrer bisherigen Karriere ist seit 2013 die mehrfach ausgezeichnete Comedyshow „Inside Amy Schumer“, für die sie auch als Autorin verantwortlich zeichnet

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