Kino & Stream

Ein Interview mit Bill Pohlad

Love & Mercy

tip Die Idee, den jungen und den alten Brian Wilson von zwei verschiedenen Darstellern spielen zu lassen, hat der Koautor Oren Moverman eingebracht, der schon in „I’m Not Here“ Bob Dylan von verschiedenen Darstellern verkörpern ließ?
Bill Pohlad Nein, das entwickelte sich daraus, dass ich Brian und seine Frau Melinda traf. Mich faszinierte, wie sie ihn in einem Geschäft kennengelernt hatte und ihn dabei zuerst für einen Obdachlosen hielt. Ich fand, das war ein schöner Einstieg in die Geschichte. Zum anderen faszinierte mich die Arbeit an der Musik: wie er im Studio mit den Musikern experimentierte – das war jene Zeit, in der er auf den größten Widerstand von außen stieß. Diese beiden Geschichten wollte ich zusammenbringen.

Love & Mercytip Während Paul Dano dem jungen Brian ?Wilson wirklich ähnlich sieht, kann man das von John Cusack nicht unbedingt ?behaupten …
Bill Pohlad Googeln Sie einmal im Internet Bilder von Brian aus den Achtzigerjahren! Da sieht er extrem unterschiedlich aus, seine Stimmung schwankte stark, auch sein Gewicht, wegen all der Diäten und Tabletten. Natürlich ist das auch immer ein Balanceakt, einerseits einen guten Schauspieler für die Rolle zu finden, andererseits auf die Ähnlichkeit zu achten.

tip Haben Sie nie befürchtet, sich damit dem Publikum zu entfremden?
Bill Pohlad Das ist immer ein Risiko, wenn man etwas ausprobiert. Dies ist ja kein Biopic, das chronologisch alle Fakten aneinanderreiht. Die 60er werden aus Brians Perspektive erzählt, die 80er aus Melindas. Dies waren für mich zwei unterschiedliche Erzählungen. Ich wollte entsprechend auch gar nicht, dass Paul Dano und John Cusack sich trafen. Brian selber war von Anfang an involviert in den Film. Er hat kein übergroßes Ego, versucht nicht, ein bestimmtes Image von sich zu verbreiten – er hat vielmehr etwas Kindliches, immer noch. Statt viel zu reden, lässt er lieber seine Musik für sich sprechen. In den Besprechungen wirkte er oft abwesend, einmal schlief er ein – aber hinterher gab er mir eine Reihe von Notizen, die zeigten, dass er genau zugehört hatte.

Interview: Frank Arnold

Fotos: Studiocanal

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Love & Mercy“ im Kino in Berlin

Brian ?Wilson
Die Beach Boys waren eine der erfolgreichsten amerikanischen Bands der 60er-Jahre, hauptsächlich dank der Kreativität von Brian Wilson, dessen Schaffen in dem Album Pet Sounds gipfelte. Während der Arbeit an dem Nachfolger Smile wurden seine psychischen Probleme zu übermächtig. Die Aufnahmen wurden erst 2011 veröffentlicht.

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