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Ein Interview mit den Coen-Brüdern

Die Coen-Brüder beim Drehtip Haben Sie Tarantinos Rache­fantasie „Inglourious Basterds“ gesehen?
Ethan Coen Sehr unterhaltsam! Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass Zuschauer – ganz gleich, welchen Glaubens – das Ganze inhaltlich ernst nahmen oder im Kino waren, um ihre Mordgelüste kompensiert zu sehen.

tip Tarantinos Filme werden stets auf ihre Quellen untersucht, während Ihre Filme meist nur im Kontext Ihres Gesamtwerkes analysiert werden. Machen Sie überhaupt bewusst Anleihen bei anderen Filmen?
Joel Coen Wie „A Serious Man“ ja andeutet, haben wir in unserer Kindheit viele Filme im Fernsehen gesehen und dabei von Regisseuren wie John Huston, Alfred Hitchcock oder Pres­ton Sturges gelernt. Ich schätze, wer will, der könn­te eine Menge Parallelen finden. Aber wozu?
Ethan Coen Bewusst haben wir bei „O Brother, Where Art Thou?“ vom „Zauberer von Oz“ geklaut. Freunde von uns behaupten, wir bedienten uns dauernd an diesem Film.
Joel Coen Und sie liegen nicht verkehrt. „A Serious Man“ hat einen Tornado, der „Zauberer von Oz“ ebenso. Dabei ist es noch nicht mal ein besonders starker Film. Wir haben ihn bloß zu oft im Fernsehen gesehen.

tip Gehörte zu Ihren Favoriten damals auch „True Grit“ von John Wayne, zu dem Sie nun ein Remake drehen?
Ethan Coen Wir haben die Verfilmung beide seit vielen Jahren nicht gesehen. Oder?
Joel Coen Nein. Ich auch nicht. Das muss auch nicht sein, denn unser „True Grit“ ist weniger ein Remake als vielmehr die Verfilmung des zugrunde liegenden Ro­mans von Charles Portis. Wir haben dafür Jeff Bridges, Matt Damon und Josh Brolin an Bord. Nun brauchen wir nur noch eine 14-Jährige für die Hauptrolle des Mädchens, das den Tod des Vaters rächt. Schwierig. Wir haben wenig Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen. Was den Job noch interessanter macht.

tip Apropos Jeff Bridges. Haben Sie mal in Folge des Kultes um „The Big Lebowski“ je überlegt, die Figur noch mal auf die Leinwand zu bringen?
Joel Coen Nein, der Dude ist präsent genug und wird uns wohl alle überleben (lacht). Aber wir arbeiten an einer Fortsetzung von „Barton Fink“.
Ethan Coen Ja, Bartons weitere Erlebnisse gingen uns zu oft durch den Kopf, um unserer No-Sequel-Regel treu zu bleiben. Doch wer weiß, wie das Skript wird und ob das jemand sehen will. Es heißt jedenfalls „Old Fink“ und spielt im Sommer der Liebe in San Francisco.

Interview: Roland Huschke

Lesen Sie hier: „A Serious Man“ im Kino in Berlin

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