Kino & Stream

Ein Interview mit Duncan Jones

Duncan Jonestip Mr. Jones, Sie haben „Moon“ in den Londoner Shepperton Studios gedreht, wo 30 Jahre zuvor ein Klassiker des Genres entstand, nämlich Ridley Scotts „Alien“. War das ein Zufall?
Duncan Jones Nein, nicht ganz. Als ich Werbeclips drehte, habe ich häufiger in den Shepperton Studios gearbeitet. Ich kannte also die Leute dort und sie boten mir an, wenn ich meinen ersten Spielfilm drehen würde, wären sie interessiert, dass ich zu ihnen komme. Sie haben einfach tolle Abteilungen, was Kostüme und Spezialeffekte anbelangt. Deren Leiter Bill Pearson hatte bei einer ganzen Reihe klassischer britischer Science-Fiction-Filme mitgearbeitet und war interessiert daran, dass Shepperton da wieder mitmischte. Er holte für unseren Film sogar eine Reihe von ‚Oldtimern‘ aus dem Ruhestand zurück.

tip Haben Sie je erwogen, „Moon“ für ein Studio zu drehen – die Idee zu verkaufen und dann ein höheres Budget zur Verfügung zu haben?
Jones Nein, wir wollten diesen Film immer unabhängig herstellen. Das Budget stand zuerst fest, dann erst haben wir überlegt, was wir unter diesen Bedingungen realisieren können und was nicht. Mein Produktionspartner Stuart Fenegan und ich hatten zuvor eine ganze Reihe von Werbeclips gemacht und entschieden, dass die Zeit reif war, einen abendfüllenden Spielfilm zu machen – aber dabei wollten wir genau so viel Kontrolle haben wie bei den Clips. Die Hälfte des Geldes bekamen wir selber zusammen, dann konnten wir aufgrund des Konzepts und des Artworks den Film an Sony verkaufen, von denen wir die zweite Hälfte unseres Budgets bekamen. Das lag knapp unter fünf Millionen Dollar und war auch für Sony so wenig, dass sie sich während der Produktion nicht weiter einmischten.

tip „Alien“ hat Sie als Film beeinflusst, aber der Bruder von Regisseur Ridley Scott, Tony Scott, hatte einen ganz direkten Einfluss auf Ihre Karriere.
Jones Das ist korrekt: Als der Ende der Neunziger die Fernsehreihe „The Hunger“ drehte, durfte ich einmal dabei sein und mit meiner kleinen Kamera einige Aufnahmen machen, die für Zwischenschnitte verwendet wurden. Er merkte, dass mich das Medium faszinierte, und gab mir den Ratschlag, eine Filmschule zu besuchen. Ich schrieb mich dann 1999 an der London Film School ein. Tony Scott hatte aber auch gesagt, die wahre Filmschule sei die Werbung, also bewarb ich mich später bei einer Londoner Agentur.

tip Der Gastgeber von „The Hunger“, der die einzelnen Geschichten einleitete, war damals Ihr Vater David Bowie, in dessen Songs es ja wiederholt um Außerirdische geht und der sich als „Aladdin Sane“ und „Ziggy Stardust“ Alien-Identitäten erschuf. Kann man sagen, dass Ihre Leidenschaft für Science Fiction auf ihn zurückgeht?
Jones Mein Vater spielte dabei schon eine große Rolle, aber nicht durch das, was Sie gerade ansprachen. Als ich aufwuchs, habe ich mich nicht so für seine Arbeit interessiert – wie das bei vielen Kindern so ist. Ich war mehr davon beeinflusst, was er mir gab – er schleppte Bücher an wie Orwells „1984“ oder John Wyndhams „The Day of the Triffids“ und machte mich auf Filme aufmerksam, wie Kubricks „2001“. Und, nicht zu vergessen, als ich sechs oder sieben Jahre alt war, drehten wir mit einer 8mm-Kamera zusammen kleine Science-Fiction-Filme, für die wir unter anderem Figuren aus „Star Wars“ benutzten.

Foto: Rodene Ronquillo

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren