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Ein Interview mit George A. Romero

tip Das ist alles, was Sie dazu sagen können?
Romero Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Hören Sie: Ich mache diese Filme ja nicht für Kinder. Als ich jung war, habe ich allerdings auch die EC-Horror-Comics geliebt, die dann später auch zensiert und verboten wurden. Die Grausamkeit in Heftchen wie „Tales From The Crypt“ hat mich nie traumatisiert. Der Humor hat das Grauen leichter verdaulich gemacht. Ich konnte mich immer auch über die Geschichten amüsieren und so den Schrecken genießen. Und ich weiß auch, dass die Hardcore-Horror-Fans die komödiantischen Momente in meinen Filmen schätzen. In „Survival of The Dead“ gibt es auch ein paar Momente, die an die überzeichnete Gewaltdarstellung der Looney-Tunes-Trickfilme erinnern. Ich hoffe, die Leute finden das lustig.

tip Wie stehen Sie zu den Remakes Ihrer Filme? Zack Snyder hat 2004 ein Big-Budget-Remake von „Dawn of The Dead“ gemacht. Schon Ende der Siebziger Jahre gab es jede Menge italienische Pizza-Zombie-Filme wie „Voodoo – Schreckensinsel der Zombies“, die sich eindeutig an Ihren Filmen orientiert haben. Ärgern Sie sich über diese Filme?
Romero Eigentlich ist mir das egal. Meine Filme gehören ja immer noch mir. Stephen King wird auch immer gefragt, ob er sauer darüber ist, dass Hollywood seine Romane verhunzt hat. Aber den Büchern können die Filme nichts anhaben. Die sind doch nach wie vor in jedem Bücher­regal verfügbar. Wenn jemand ein Remake meines Films macht, werde ich nicht sauer. Was aber nicht bedeutet, dass ich den Grund dafür nachvollziehen kann. Mein Film „The Crazies“ ist jetzt neu verfilmt worden. Studio­bosse hantieren wohl lieber mit bekannten Filmstoffen herum, als das Risiko einzugehen, etwas Neues zu probieren.

tip Sie mochten das Remake also nicht? Sind Sie nicht sogar als einer der Produzenten im Vorspann erwähnt?
Romero Na ja, der Regisseur Breck Eisner hat schon einen guten Job gemacht. Ich hätte den Film ja nicht machen wollen. Ich glaube, den Produzenten schwebte ein Remake im Stil von „28 Days Later“ vor. Ich wäre das ganz anders angegangen. Und es stimmt. Ich bin als ausführender Produzent von „The Crazies“ aufgeführt. Das bedeutet aber lediglich, dass sie meinen Segen hatten und mich dafür bezahlt haben, meinen Namen benutzen zu dürfen. Das Drehbuch las sich noch ganz gut. Mir ist aber dennoch schleierhaft, warum sie den Film überhaupt machen wollten.

tip Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihre Fans und vor allem die Kritiker mehr in Ihre Filme hinein interpretieren, als sie ursprünglich im Sinn hatten?
Romero Oft habe ich eher das Gefühl, dass einiges von dem, was ich sagen wollte, verloren geht. Für mich sind die Botschaften meiner Filme recht offensichtlich und ich wundere mich, wenn die nicht verstanden werden. Ich spiele gern mit verschiedenen Stilen und Ideen herum. Viele Fans sind unzufrieden, wenn ihre Erwartungshaltung nicht erfüllt wird. Das Publikum scheint immer nur das Selbe sehen zu wollen. Vielleicht ist das das Resultat vom episodenhaften Fernsehen. Die Leute möchten jede Woche zur gleichen Zeit die selbe Show sehen. Es frustriert mich, dass sie nicht zu schätzen wissen, wenn man versucht, etwas anders zu machen.

tip Genre-Festivals überall auf der Welt veranstalten derzeit sogenannte „Zombie Walks“ zu Ihren Ehren. Als ich im letzten Jahr das Grossmann-Horror-Filmfest in Slowenien besuchte, haben Sie den dortigen „Zombie-Walk“ per Telefon eröffnet. Da­raufhin sind etwa zweihundert slowenische Zombies durch die Kleinstadt Ljutomer gewankt und haben Passanten erschreckt. Was hat das zu bedeuten?
Romero Nun, Sie waren ja da. Vielleicht können Sie mir das erklären. Ich weiß nicht, was das soll, aber es ist faszinierend. In Toronto ist auch jedes Jahr so ein Zombie-Walk, bei dem ich mich sehen lasse. Ich habe auch schon eine Eröffnungsrede für Japan aufgezeichnet. Ich glaube nicht, dass dem eine tiefere Bedeutung innewohnt. Horror-Fans lieben es einfach, wie Zombies zurecht gemacht zu werden. Das ist ein bisschen so wie Halloween. Solange sie nicht militant werden und ihren Spaß dabei haben, muss man sich keine Sorgen machen.

Interview: Jörg Buttgereit

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