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Ein Interview mit Icнar Bollaнn

Icнar Bollaнn

tip Frau Bollaнn, das Drehbuch zu „Und dann der Regen“ stammt von Ihrem Lebensgefährten, dem Schotten Paul Laverty, einem langjährigen Mitarbeiter von Regisseur Ken Loach. Sie haben ihn 1995 auf dem Set von „Land and Freedom“ kennengelernt, als Schauspielerin. Wie kam es zu diesem Filmprojekt?
Icнar Bollaнn Ursprünglich schrieb er einen Historienfilm über Kolumbus. Als Paul 2000 von dem Wasserkrieg in Cochabamba hörte, fuhr er hin und sprach mit den Leuten und Anführern. Und dann verknüpfte er die Jagd nach Gold mit der Privatisierung von Wasser. Die historischen Parallelen lagen auf der Hand: Die Eroberer von einst und die modernen multinationalen Konzerne.

tip Hatten Sie Einfluss auf das Skript?
Icнar Bollaнn Nein! Ursprünglich wollte ich nicht einmal die Regie übernehmen. Doch als Alejandro Gonzбlez Iсбrritu absprang, um „Biutiful“ zu machen, haben mich Paul und Produzent Juan Gordon dazu überredet. Zuvor hatte ich ja eher kammerspielartige Filme gemacht.

tip Geschichte einmal anders – oder welche Intention verfolgt der Film?
Icнar Bollaнn In Spanien wird Kolumbus immer noch als Held verehrt. Kaum einer weiß, dass mit ihm die Versklavung der Indianer begann. Auch von dem aus Kuba stammenden Hatuey wissen wir nichts. Paul betrachtet Geschichte gern aus einem anderen Blickwinkel, als Ergebnis hat er Hatuey ein kleines Denkmal gesetzt. Im Grunde handelt der Film vom Widerstand und vom Glauben an die eigene Kraft.

Icнar Bollaнntip Sie haben geschickt eine dritte Erzählebene eingeflochten. Finden Sie sich in der Figur des idealistischen Regisseurs Sebastiбn wieder?
Icнar Bollaнn Filmemacher müssen stur und obsessiv sein. Da indentifiziere ich mich schon mit ihm. Aber Sebastiбn ist so fokussiert, dass er darüber die Realität nicht mehr wahrnimmt. Das muss nicht sein. Schließlich haben Filme Kraft und können die Weltsicht verändern. Costa hingegen sieht genau, was passiert. Als Produzent darf er nicht ausweichen, wenn alles am Set im Chaos versinkt. Er muss reagieren und sich mit den Tatsachen auseinandersetzen.

tip Gab es Probleme, als Sie in Cochabamba drehten?
Icнar Bollaнn Wir hatten das erwartet, aber dann hat alles perfekt geklappt. Wir hatten Glück mit der Regierung, da Präsident Evo Morales beim Wasserkrieg einer der drei Anführer war. So wurden uns jede Hilfe zuteil: von der Armee und der Polizei. Als Statisten fanden wir Leute, die damals mitgekämpft haben. Ihnen mussten wir natürlich nicht erklären, was sie zu tun hatten. Sie waren sehr euphorisch, das Ganze noch einmal darzustellen, denn einige haben immer noch kein Wasser.

tip Manch einem ist das Filmende zu „happy“. Was meinen Sie?
Icнar Bollaнn Ich glaube nicht. Denn in Bolivien hat der härtere Part begonnen: Das Erreichte muss umgesetzt werden – Wasser für alle. Und dann ist da Costa, der einen Film beenden muss und nicht weiß, wie. Das einzige Gute am Ende ist, dass Costa sich verändert.

tip „Und dann der Regen“ hat inzwischen viele Preise gewonnen. Darunter den Panorama-Publikumspreis bei der letzten Berlinale.
Icнar Bollaнn Das war wirklich wichtig für mich. Dass das deutsche Publikum sich so für den Film begeistert.

Interview: Cristina Moles Kaupp

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Und dann der Regen“ im Kino in Berlin

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