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Ein Interview mit Jaco Van Dormael

Jacon Van Dormaeltip Brüssel gilt als hässliche Stadt. Wie sehen das die Einwohner, hassen sie es, dort zu leben?
Jaco Van Dormael Nein, sie wissen, dass die Stadt hässlich ist, aber auch, wie man sie für sich aufhübschen kann. Ich selbst bin nicht dort geboren, habe aber die meiste Zeit dort gelebt.

tip Die Vorstellung, dass Gott mit Frau und Tochter in Brüssel lebt, ist schon eine tolle Ausgangsidee, daneben weist Ihr Film auch einen Reichtum an bizarren Details auf…
Jaco Van Dormael Für mich ist das Bizarre normal, so etwas zu schreiben ist für mich alltäglich. Die meisten Filme heutzutage haben eine Struktur, wo man auf das Ende wartet, das einem die langersehnten Antworten gibt. Darüber vernachlässigt man die Wichtigkeit dessen, was man in diesem Augenblick erleben könnte – so wie die Figuren in meinem Film. Mein Vergnügen beim Schreiben ergibt sich nicht aus der Geschichte, sondern daraus, wie ich sie erzähle.

tip Werden Zuschauer, die religiös sind oder aber Religionskenntnisse haben, mehr als andere aus dem Film mitnehmen können? Und gab es offizielle Reaktionen der Kirchen?
Jaco Van Dormael Ersteres möglicherweise, aber ich habe nicht viele Freunde, die an Gott glauben. Ich fand es aber bemerkenswert, dass die belgische Webseite Kerk.net dazu aufrief, den Film anzusehen, weil er die Rolle der Frauen in der Kirche problematisieren würde und sich mit den Vorstellungen vom Paradies auseinandersetzte. Von offiziellen Reaktionen weiß ich nichts, aber ich bin mir sicher, falls der Papst den Film sieht, wird er sich amüsieren.

Interview: Frank Arnold

Foto: Michiel Hendryckx – Gent / Fabrizio Maltese

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