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Ein Interview mit Karim Aпnouz

Karim Aпnouz

tip Warum zeigen Sie uns Berlin, wo Sie jetzt leben, so grau und traurig, verglichen mit Ihrer Heimat Brasilien?
Karim Aпnouz?Berlin sieht im Film zwar grau aus, aber es war nicht meine Absicht, die Stadt traurig zu zeigen. Schon 2004 hab ich mich in Berlin verliebt und viele Fotos gemacht. Im Film wollte ich einen starken Kontrast in Sachen Licht und Temperatur, was diese beiden Orte angeht. In Brasilien haben wir nah am Äquator gedreht, sodass wir sehr grelles Licht hatten. In Berlin ist es weicher und etwas gräulich. Das geht mit den Erfahrungen der Charaktere einher. Ich wollte ein Berlin, an das sich Donato anfangs schwer gewöhnt. Aber als er sich entschließt, in Berlin zu bleiben, wird es farben- und freudvoller.

tip Noch ein Kontrast: Donato ist Rettungsschwimmer, sein kleiner Bruder Ayrton fürchtet das Meer.
Karim Aпnouz Die Geschichte kreist um Furcht und Mut. Leute, die Risiken eingehen, und andere, die das nicht tun. Donato ist Rettungsschwimmer, aber hat auch eine verletzliche Seite. Und Ayrton, der so viel Angst vor dem Wasser hat, dem Element seines Bruders, überquert schließlich den Ozean. Am Ende stehen alle im Meer, in der Nordsee, aber da ist wegen Ebbe kein Wasser.

tip Zeigt uns diese Szene einen „Strand der Zukunft“ oder einen Ort „just for one day“, wie David Bowies „Heroes“ suggeriert?
Karim Aпnouz Es ist ein Strand der Zukunft, mehr als „Praia do Futuro“ am Anfang. Als wir an der Nordsee drehten, war es diesig und neblig, wie auf dem Mars, man konnte nicht sehr weit blicken – wie im Leben.

tip Warum haben Sie den Film in drei Kapitel geteilt?
Karim Aпnouz Ich wollte etwas Neues probieren, das ich nie zuvor in meinen Filmen getan habe: so viel Zeit zwischen Sequenzen verstreichen zu lassen. Einmal drei oder vier Monate, dann acht Jahre. Da hat mich die epische Kapitel- und Zeitstruktur mancher Abenteuerromane wie „Moby Dick“ inspiriert. Veränderungen, die geschehen, während wir nicht bei den Figuren sind. Das half mir, die Geschichte zu erzählen. Denn es ging mir ja gerade darum, welche Sprünge die Figuren machen, räumlich und charakterlich.

tip In Ihren drei letzten Filmen zuvor standen Frauen im Mittelpunkt, jetzt Männer.
Karim Aпnouz Ich wollte diesmal von Liebe zwischen Männern erzählen, romantischer und brüderlicher. Und von Familie: Gewissermaßen reifen Donato und Konrad zu Vaterfiguren für Ayrton heran. Das Hauptthema besteht für mich darin, wie maskuline Figuren Risiken eingehen.

tip Wie haben Sie Clemens Schick gecastet?
Karim Aпnouz Von Clemens Schicks Tapes war ich so ?begeistert, obwohl ich die Audition nicht selbst machen konnte. Sogar das Blau seiner Augen spielt eine Rolle, weil Donato, dessen Element das Wasser ist, sich in Konrads ?Augen verliert.

Interview: Stefan Hochgesand

Foto: Joe Dilworth

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Praia do Futuro“ im Kino in Berlin

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