Kino & Stream

Ein Interview mit Michael Douglas

Michael Douglastip Waren Sie nie versucht, den nächstbesten Blockbuster mitzunehmen?
Michael Douglas Niemals. Ich mag Erfolg. Er fühlt sich gut an und ist verdient nach harter Arbeit. Aber um große Gagen zu bekommen, muss man sehr große Hits landen, von denen es nur sehr wenige und vor allem wenig gute gibt. Ich bin schon mit der Flinte durch den Dschungel gerannt in „Die Jagd nach dem grünen Diamanten“ (lacht). Den Plan, mit meiner Frau noch einen romantischen Abenteuerfilm zu drehen, mussten wir aufgeben, weil wir in Indien drehen sollten und ich wegen der Attentate in Mumbai um meine Familie fürchtete. Und aus finanziellen Gründen muss ich glücklicherweise seit den Siebzigern keinen Job mehr annehmen. Ich brauche auch keine Hubschrauberflotte für den Privatgebrauch.

tip Harrison Ford und Sylvester Stallone sind in Ihrem Alter und treten als Actionhelden an.
Michael Douglas Weil es ihren Stärken entspricht. Ich dränge mich nicht auf, wenn es darum geht, eine Armee von Angreifern auszuschalten. Würden Sie das sehen wollen? Eben. Man kann eine Karriere ohnehin nicht steuern. In den letzten Jahren habe ich einige Charakterdramen gedreht und etwa bei „Wonder Boys“ wirklich eine ganz neue Freude an der Schauspielerei entdeckt – aber wir fanden kein Publikum dafür.

tip Würden Sie nicht gerne als Produzent noch einmal so einen Erfolg haben wie mit „Einer flog über das Kuckucksnest“?
Michael Douglas So was gelingt dir nur einmal im Leben, das ist nicht zu toppen. Außerdem: Vom Erwerb der Rechte bis zur Premiere vergehen Jahre und man muss Hunderte harter Entscheidungen treffen. Wenn es gut läuft. Letztlich steckt wahrscheinlich doch noch der Hippie aus meiner Flow­erpower-Jugend in mir, der nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen kann. Nein danke – es ist schon schwer genug, als Schauspieler gute Stoffe zu finden. Sie können hundert Jahre in Hollywood arbeiten – der nächste Film ist trotzdem ein Glücksspiel. Seit Jahren versucht Steven Soderbergh mit mir ein Biopic über Liberace zu stemmen. Eine ganz wunderbare, völlig verrückte Rolle. Die kann ich aber nur spielen, wenn sich genug seriöse Leute mit Mut und Geld finden, die ein gemeinsames Risiko eingehen.

Michael Douglastip Worauf sind Sie in Ihrer Karriere am meisten stolz?
Michael Douglas Auf den Oscar für „Wall Street“, weil nichts über die Anerkennung durch die Kollegen geht und ich damals die wichtigste Bestätigung meiner Schauspielkarriere verspürt habe. Vergessen Sie nicht, dass ich bis dahin vor allem als Ex-Fernsehstar gesehen wurde und kaum nennenswerte dramatische Kinorollen vorzuweisen hatte. Es war nicht selbstverständlich, den Sprung auf die Leinwand zu schaffen und sich dabei vom berühmten Vater auch noch künstlerisch zu emanzipieren. Und dann landete ich im selben Jahr nicht nur „Wall Street“, sondern noch dazu „Eine verhängnisvolle Affäre“. Definitiv das wichtigste Jahr meiner Karriere.

tip Wie geht es Ihrem Vater seit seinem Schlaganfall?
Michael Douglas Den Umständen entsprechend bestens. In seinem hohen Alter fällt ihm natürlich alles schwerer, aber er ist noch fit genug, um Witze zu machen. Am liebsten zieht er mich damit auf, dass ich ihm als Produzent in den Siebzigern nicht die Hauptrolle in „Einer flog über das Kuckucksnest“ zuschanzte. Er sagt dann Sachen wie: „Michael, wenn ich geahnt hätte, dass du so erfolgreich bist, wäre ich schon früher viel netter zu dir gewesen“ (lacht).

Interview: Roland Huschke

zurück | 1 | 2

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Wall Street: Geld schläft nicht“ im Kino

Mehr über Cookies erfahren