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Ein Interview mit Michael Douglas

Michael Douglas

tip Mr. Douglas, in „Wall Street: Geld schläft nicht“ sind Sie nach zwanzig Jahren wieder als Gordon Gekko zu sehen, seines Zeichens wohl der berühmteste Kapitalist der Welt. Ist Gier noch gut in Zeiten der Krise?
Michael Douglas Hey, erschießen Sie nicht den Überbring­er der Nachricht! Ich habe damals eine Rolle gespielt und an einem Nachmittag eine sehr gut geschriebene Motivationsrede gehalten. Dass das Fazit „greed is good“ ein kleiner Teil der Filmgeschichte wurde, freut mich – aber vorhersehbar war das natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. Mich wundert es heute noch, wenn mir New Yorker Broker gratulieren und sich ungebrochen von Gekko inspiriert fühlen. Er war schließlich der Bösewicht (lacht)! Persönlich erschreckt mich Raubtierkapitalismus so sehr wie jeden vernünftigen Menschen. Außerdem habe ich im Herbst 2008 durch die Krise selbst ein Drittel meines Vermögens verloren. Einen Großteil der Verluste habe ich zwar wieder hereingeholt und inzwischen meine Papiere aus dem Handel genommen. Trotzdem möchte ich auch in Zukunft gut verdienen und mein Geld sinnvoll anlegen dürfen. Aber nur weil ich an freie Marktwirtschaft glaube, heißt das ja nicht, dass ich nicht zugleich humanitär denken und mich für das Allgemeinwohl einsetzen kann.

tip Das „Wall Street“-Fortsetzungsprojekt wurde seit den späten Neunzigern immer wieder diskutiert. Warum hat es jetzt
geklappt?
Michael Douglas Oliver Stone ist ein ebenso erklärter Gegner von Fortsetzungen wie ich. Ich habe es stets bereut, in den Achtzigern einmal schwach geworden und ein Sequel zu „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ akzeptiert zu haben: Der Frische des ersten Films wurde das nie gerecht. „Wall Street“ hat uns aber als erzählerisches Universum gar nicht losgelassen, weil die Welt der Finanzmärkte in einem Maße explodierte, wie es niemand je prophezeit hätte. Der neue Film ist eine Komplementärgeschichte, keine Fortsetzung. Gekko mag zu seiner Zeit ein gerissener, gemeingefährlicher Player gewesen sein – doch als er zu Beginn unseres Filmes aus dem Gefängnis kommt, wirkt er nur wie ein armseliger Dinosaurier. Was er einst für die ultimative „Kunst des Deals“ hielt, würde nicht mal in den Wirtschaftsnews Beachtung finden. Das war immer die Prämisse. Verbunden mit  den Fragen, ob sich ein ehemals so mächtiger Mann durch Einsicht oder Strafe verändern kann; ob seine alten Instinkte in der modernen Welt noch etwas wert sind. Oliver hat über die Jahre viele Szenarien durchgespielt – und dann ein Drehbuch entwickelt, das uns beiden gefiel.

Michael Douglastip Fiel es Ihnen leicht, wieder in Gekkos Haut zu schlüpfen?
Michael Douglas Äußerlich hilft es gewiss, einfach wieder in die alte Rüstung zu schlüpfen – die Anzüge, die Pomade, die ganze Masters-of-The-Universe-Maskerade, um Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ zu zitieren. Aber Gekko ist ungleich verletzlicher, manchmal fast eine traurige Gestalt. Er darf nicht mehr an der Börse handeln, sein Sohn hat sich umgebracht – wer ins Kino geht, um den alten Gekko zu sehen, wird enttäuscht werden, denn die Zeit  hat tiefe Spuren hinterlassen.

tip Demnächst soll an der Börse auch auf den Erfolg kommender Kinofilme gewettet werden dürfen. Wären Sie mit Ihrer
Erfahrung nicht der perfekte Insider?
Michael Douglas Nein. Ich verstehe das Filmgeschäft nicht mehr so wie in den Achtzigern. Es ist ein Markt für junge Leute und ich interessiere mich für Filme über Erwachsene. Bevor ich mich für einige Jahre mit Catherine und unseren kleinen Kindern weitgehend zurückgezogen habe, hatte ich noch eine Produktionsfirma und wollte originelle Projekte anstoßen. Das ist fast unmöglich geworden ohne Explosionen und Superhelden.

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