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Ein Interview mit Michel Gondry

Michel Gondrytip Ist es schwieriger, das in einem so großen, teuren Film hinzubekommen?
Michel Gondry Man merkt es schon beim Drehen, in einem Film wie diesem kann man kein Risiko eingehen. Also wird so gedreht, dass man alle möglichen Optionen für den Schnitt offenhält. Das ist nicht gerade meine Philosophie. Ich mag es, ganz schnelle Entscheidungen zu treffen, Risiken einzugehen – das ist Teil vom Spaß. Man kann nicht lügen, man muss sich im Moment entscheiden. Es putscht mich auf und zugleich macht es mir Angst. Aber ich habe lieber diese Angst, als etwas anderes zu machen. Aber glauben Sie mir: In einem Film wie diesem hatte ich eine ganze Menge Gründe, Angst zu haben. Mehr als in jedem anderen Film.

tip Wovor hatten Sie Angst?
Michel Gondry Na, es ist nicht gesagt, dass der Film nicht wie eine Bombe untergeht, das ist noch nicht raus. Bis jetzt waren die Screenings vor der Presse sehr erfolgreich, soviel ich weiß. Ich hab das Studio nie als jemanden gesehen, der sich meiner Kreativität in den Weg stellt, ein Widerstand wäre, sondern als Leute, die sicherstellen, dass der Film erfolgreich wird. Und ich dachte: Egal, was die tun, ich werde immer noch meine persönliche Handschrift darin hinterlassen. In einem 20-Millionen-Dollar-Film wie „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ waren es 50 Prozent: 50 Prozent ich und 50 Prozent Charlie Kaufman. In einem Film wie „Science of Sleep“ waren es 200 Prozent, bei fünf Millionen Dollar Budget. Und ich schätze, für einen Film wie „The Green Hornet“ müssen es sieben Prozent sein. Aber immerhin besser als gar nichts.

tip Gute Schätzung. Wollten Sie mehr und trafen dann doch auf Hindernisse?
Michel Gondry Manchmal bin ich echt überrascht, wie viel da noch von mit drinsteckt. Es gibt natürlich das Publikum, das das Studio zufriedenstellen soll, das ganz breit ist. Aber mein Kompass sind die drei Freunde, mit denen ich aufgewachsen bin, mit denen ich zur Schule gegangen bin und mit denen ich Musik gemacht habe. Ich will nicht, dass sie sich schämen. Bis jetzt läuft es gut. Nur ein paar Mal, als ich Videos gemacht habe, die nicht so toll waren, dachte ich, dass sie ihr Gesicht verziehen würden. Das ist mein Kernpublikum. Die drei Freunde. Und mein Bruder. Also vier. Aber die sagen mir, wenn’s grauenhaft ist.

tip Ist es ja nicht. Haben Sie die 3D-Effekte nachträglich in den Film hineingerechnet?
Michel Gondry Wir wollten das von Anfang an in 3D machen, aber wir konnten es uns nicht leisten. Dann haben sich die Dinge geändert, und das Studio wollte es in 3D, also haben wir eine Konversion gemacht. Das hat ein paar Vorteile und einer davon ist, dass wir mit analogem Film gedreht haben und dass etwas von dieser Wärme im Kinobild noch erhalten ist.

Michel Gondrytip Die Originalserie hatte Frauenrollen und Geschlechterbilder, die heute grotesk wirken. Wollten Sie das mit der Sekretärin, die Cameron Diaz spielt, ändern?
Michel Gondry Wir haben ihr ein wenig mehr Hirn gegeben. Ich wollte sie zur Kriminologin machen. Ich darf sagen, dass das wirklich mein Beitrag zur Story war. Wir hätten noch weitergehen können, aber ich wollte, dass die zwei Typen im Mittelpunkt der Erzählung bleiben. Sie darf auch erst am Ende der Geschichte he­rausfinden, wer die beiden sind – also konnte sie nicht Teil der Action sein. Es gibt auch keine Romanze, was ich gut finde. Im Wesentlichen tritt sie den beiden bei jeder Begegnung in die Eier.

tip Wollen Sie mehr „Green Hornet“-Filme inszenieren?
Michel Gondry Ja, sicher. Das wäre ein Spaß. Es gibt schon das ganze Ensemble, abgesehen vom Bösewicht, der jedes Mal umkommt.

tip Gibt es schon Optionen?
Michel Gondry Ich kenne den Mechanismus nicht genau. Vielleicht planen die hinter meinem Rücken schon ein Projekt, ohne mich als Regisseur. Vielleicht haben sie Judd Apatow gefragt. Ich weiß nicht. Es gibt jedenfalls noch keine feste Abmachung, ein Sequel zu machen.

tip Arbeiten Sie eigentlich noch an Ihren absurden Kurzfilmen fürs Internet weiter?
Michel Gondry Oh ja, auf jeden Fall. Ich komme damit aber immer wieder in Schwierigkeiten, ich habe schon Anwälte am Hals, weil ich meinen Spielfilm-Cutter für die kurzen Filme ausgeliehen habe. Oh, das sollte ich nicht sagen! (Gondry blickt halb amüsiert zur US-Pressebetreuerin des Studios, die mit am Tisch sitzt) Aber es ist wichtig für mich, dass ich beides mache.

Interview: Robert Weixlbaumer

Fotos: David von Becker

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