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Ein Interview mit Monte Hellman

Monte Hellmantip Mr. Hellman, Ihr Name wird stets mit dem New Hollywood assoziiert. Wie weit geht denn Ihr eigenes Interesse am Kino zurück?
Monte Hellman Viel weiter als das vieler junger Leute heute, die Filmen wie „Broken Blossoms“ von Griffith oder Pudovkins „Potomok Chingis-Khana“ (Sturm über Asien) nicht begegnet sind – oder anderen wirklich wegweisenden Werken.

tip Sie werden als Regisseur mit definierter Handschrift gesehen, vor allem mit Blick auf Ihre zentralen Werke „Two-Lane Blacktop“, „The Shooting“, „Ride in the Whirlwind“ und „Cockfighter“. Sie hätten diesen stilistischen Weg weiter beschreiten können, was vielleicht manches für Sie einfacher gemacht hätte, angesichts der Reputation, die Sie sich aufgebaut hatten.
Monte Hellman Ich glaube, es liegt ein Irrtum darin, zu denken, irgendjemand könnte wissen, was Erfolg haben wird. Schauen Sie sich die Studios an. Die machen 20 Filme und 19 davon sind ein Misserfolg, und nur der eine erfolgreiche bewahrt sie vor dem Untergang. Ich habe mich früh entschieden, nur meinem Instinkt zu folgen.

tip Für amerikanische und europäische Cinephile sind Sie eine ikonische Figur – aber zugleich war es immer schwierig für Sie, neue Projekte zu realisieren. Gibt es ein Gefühl der Bitterkeit bei Ihnen über Ihren Karriereverlauf?
Monte Hellman Ich habe immer einen gewissen Trost im Wissen gefunden, dass Jean Renoir, eine meiner Ikonen, den ich auch ein wenig näher kannte, fast so große Schwierigkeiten hatte, wie ich habe. Ich hatte das Gefühl: Ok, wir sind da im selben Boot, dann ist das auch in Ordnung. Wir geben das Beste, alles was wir können. Renoir konnte das distanziert betrachten, also bemühe ich mich auch darum.

Two Lane Blacktoptip Tatsächlich steckt auch in Ihrem jüngsten Film „Road to Nowhere“, der von einem Filmregisseur erzählt, viel Humor.
Monte Hellman Ich sehe Humor in allem, im Leben selbst. Der beste Streich, der jemals gespielt wurde, ist, jemanden überhaupt auf die Welt kommen zu lassen. Wenn wir an einer Szene am Set arbeiten, sehe ich sofort den lustigen Anteil daran.

tip Gedreht haben Sie den Film mit einer hochauflösenden Canon-Fotokamera, ein Konsumenten-Modell. Macht Sie das endlich wahrhaftig zum Independent-Regisseur?
Monte Hellman Die meisten Digitalfilme werden mit einer 500.000 Dollar-Viper-Kamera gedreht, aber diese kleine Kamera für 2500 Dollar liefert ein noch viel besseres Bild, weil ihr Sensor so groß ist wie ein Imax-Negativ. Macht mich das zum wahren Independent? Es hilft. Eine Kamera macht natürlich noch keinen Film, aber es hat uns ständig begeistert und inspiriert.

tip Was bedeutet es für Sie, selbst zur Referenz für andere Regisseure wie Quentin Tarantino zu werden, der Sie bewundert und Ihre Filme explizit zitiert?
Monte Hellman Es schmeichelt mir, auch wenn ich „Inglourious Basterds“ noch gar nicht gesehen habe. Aber so sehr ich vielleicht andere beeinflusse, so bin ich auch selbst von meinen Filmstudenten beeinflusst. Das geht wirklich in beide Richtungen.

Interview: Robert Weixlbaumer

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