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Ein Interview mit Noah Baumbach

Dreharbeiten zu tip Wie war die Arbeit mit Ben Stiller?
Baumbach In den ersten Fassungen des Drehbuchs war die Figur zehn Jahre jünger. Aber erst als ich das geändert habe, und Greenberg als Anfangsvierziger gesehen habe, hat sich mir selbst der Film erschlossen. Ich habe nicht direkt eine Figur für Ben geschrieben, er kam erst kurzfristig an Bord, ursprünglich war einmal Mark Ruffalo für die Hauptrolle vorgesehen, der musste aber aus persönlichen Gründen absagen. Mich hemmt es eher, wenn ich beim Schreiben an einen konkreten Schauspieler denke. Ben hat sich für diesen Film komplett zur Verfügung gestellt. Wir haben vorab viel Zeit miteinander verbracht, wir haben jede Zeile, jede Szene fast wie Forensiker untersucht. Beim Drehen konnte ich mich dann großartig auf Ben verlassen, denn er hat sich Roger Greenberg komplett zu eigen gemacht.

tip Es gibt überraschend wenig Vorgeschichte zu Greenberg im Film. Er scheint im psychoanalytischen Sinn keine Biographie zu haben.
Baumbach Wir haben über verschiedene Dinge gesprochen, aber ich lasse Dinge, die nicht im Film sind, gern auch für mich so offen, wie sie für das Publikum sind. Im Film geht es um kleine Momente, um einen intimen Zugang zu seinem Leben, und daraus ergibt sich vielleicht ein Interesse, sich mehr zu dieser Figur vorzustellen. Das kann aber jeder für sich tun.

tip Wie würden Sie Ihre Position im amerikanischen Kino beschreiben? Intregrierter Independent-Regisseur?
Baumbach Ich hatte bisher viel Glück. Die letzten beiden Filme entstanden jeweils mit Indie-Abteilungen von großen Studios, mit Produzenten wie Scott Rudin, die Vertrauen in Filmemacher setzen. Die Schauspieler arbeiten bei meinen Filmen mit geringeren Gagen, und die Budgets sind überschaubar – das ist ein Luxus, zumal in der gegenwärtigen Situation, wo es gerade auch für diesen Typ Film schwieriger wurde. Als ich „The Squid and the Whale“ drehte, hatte ich noch keinen Verleih dafür – so riskant arbeite ich heute nicht mehr. Aber auch jetzt versucht niemand, meine Filme zu etwas zu machen, was sie nicht sind.

Greta Gerwig in tip Und Sie haben auch die Freiheit, eine tolle, aber bisher unbekannte Hauptdarstellerin wie Greta Gerwig zu besetzen.
Baumbach Genau, da waren die Produzenten total offen. Greta war so unwiderstehlich gut in der Audition, da musste ich keine große Szene machen oder mit Türen knallen, um sie durchzusetzen.


Interview:
Bert Rebhandl

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Greenberg“ im Kino in Berlin

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