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Ein Interview mit Regisseur Ari Folman

The Congress

tip Einen Film zu drehen, der zu einem Teil aus Live-Action und zum anderen Teil aus Animation besteht, ist eher ungewöhnlich. Welche Herausforderungen hatten Sie zu bewältigen, um von einem Teil zum anderen zu kommen?
Ari Folman Das war meine bislang größte Herausforderung als Filmemacher. Ich habe versucht, den Übergang so fließend wie möglich zu gestalten. Deshalb habe ich den Animationsteil zunächst ebenfalls als Realfilm gedreht, als Vorlage für die Animation. Auf dieser Basis haben wir dann die Storyboards hergestellt. Wir haben zwar nicht das Rotoskopie-Verfahren verwendet (bei dem der Realfilm zum Abzeichnen Bild für Bild auf eine Mattglasscheibe projiziert wird, Anm. d. Red.), doch die Zeichner konnten sich den Film immer wieder ansehen.

tip Es ist also auch eine Art Statement, das alles in Handarbeit zu bewerkstelligen?
Ari Folman Ja, es ist alles Handarbeit, so wie vor 80 Jahren bei Max und Dave Fleischer. Das ist eine ganz schön anstrengende Angelegenheit.

tip Haben Sie darauf die ganzen fünf Jahre seit Ihrer letzten Regiearbeit „Waltz with Bashir“ verwandt?
Ari Folman Viereinhalb. Die 45 Minuten Animation haben rund zwei Jahre Arbeit gekostet, verteilt auf Produktionsstätten in neun verschiedenen Ländern.

Ari Folmantip Animationsfilme sind heute ja häufig Koproduktionen verschiedener Länder und Studios. Was für Probleme bringt das für die Arbeit mit sich?
Ari Folman Jedes Studio hat seinen eigenen Stil und einen eigenen Umgang mit der Technik. Das sind verschiedene Sprachen. In Luxemburg war das alles noch sehr traditionell, mit Lichttischen, Stiften und Pauspapier. In Deutschland hingegen ist die Technik sehr fortschrittlich. Das dann hinterher zu vereinheitlichen, ist kompliziert.

tip Der Animationsteil mit all seinen Halluzinationen ist ja sehr elaboriert. Da finden sich Einflüsse der Looney Tunes, der schon erwähnten Fleischer-Brüder und von Pop-Art а la „Yellow Submarine“ …
Ari Folman … nicht zu vergessen Ralph Bakshi.

tip Wie wurde diese Ästhetik entwickelt?
Ari Folman Ursprünglich haben wir mit einem sehr viel realistischeren Stil begonnen, so wie in „Waltz with Bashir“. Aber das war ein Albtraum, es hat überhaupt nicht funktioniert. Dann kam der Chefdesigner mit der Idee der Fleischer-Brüder. Wir haben diesen Stil an einer kurzen Szene ausprobiert und wussten sofort, dass wir dabei bleiben würden.

tip Was haben Sie als Nächstes vor?
Ari Folman Ich arbeite jetzt an zwei Projekten gleichzeitig. Ich würde gern einen Animationsfilm für Kinder drehen und ein kleines Drama mit Schauspielern irgendwo in Europa. Ich werde das nicht vermischen, aber ich brauche diese Dualität. Mir würde die Arbeit mit Schauspielern sonst fehlen. Mal sehen, was sich zuerst realisieren lässt. Aber ich werde es mir nicht noch einmal antun, fünf Jahre lang an einem einzigen Film zu arbeiten.

Interview: Lars Penning

Fotos Ari Folman: Harry Schnitger

Fotos „The Congress“: Pandora Film Verleih 2013

Lesen Sie hier die Filmkritik: „The Congress“ im Kino in Berlin

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