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Ein Interview mit Steven Spielberg und Peter Jackson

Die Abenteuer von Tim und Struppi

Wenn Steven Spielberg und Peter Jackson als Regisseur bzw. Produzent von „Die Abenteuer von Tim & Struppi“ gemeinsam zum Interview im Pariser Hotel Le Meurice antreten, wirken sie ein wenig ermüdet angesichts des hinter ihnen liegenden Aufwands. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie parallel an ihren neuen Projekten arbeiten – Spielberg an einem Lincoln-Film, Jackson an „Der kleine Hobbit“, aber das Gespräch über Hergйs Comicstoff macht sie dann doch lebendig.

tip Mr. Spielberg, Sie haben eigentlich schon ein paar verkappte „Tim und Struppi“-Filme gedreht – über einen Helden namens Indiana Jones.
Steven Spielberg Das hat man mir auch gesagt, als „Jäger des verlorenen Schatzes“ herauskam. Ich las eine französische Rezension, die den Film mit etwas namens „Tim und Struppi“ verglich. Ich hatte keine Ahnung, was damit gemeint war, begann zu recherchieren und stieß erst so auf Hergйs Comics. Ich habe sofort verstanden, was die Kritiker meinten, und konnte dem nur zustimmen. Nachdem ich alle „Tim und Struppi“-Alben gelesen hatte, war ich völlig fasziniert und wusste sofort, dass sich daraus fantastische Filme machen ließen.

Die Abenteuer von Tim und Struppitip Der Wunsch, die Comics fürs Kino zu adaptieren, entstand also schon nach „Jäger des verlorenen Schatzes“?
Steven Spielberg Richtig. Ich nahm damals mit Hergй Kontakt auf. Der schätzte zum Glück „Jäger des verlorenen Schatzes“ sehr und meinte, ich sei der einzig passende Kandidat für die Kinoversion. Ich hatte noch die Ehre, mit ihm zu telefonieren. Leider verschied er dann wenige Wochen später.

tip Das war 1983 – aber Ihr Film kommt 28 Jahre später ins Kino. Stand damals keine passende Technologie zur Verfügung?
Steven Spielberg Damals versuchte ich, die Bücher als Realfilm zu adaptieren. Aber es scheiterte am Drehbuch. Ich war mit keiner Fassung zufrieden. Wie heißt es so schön: Was nicht auf dem Papier steht, landet nicht auf der Leinwand. Deshalb gab ich auch die Rechte wieder zurück, damit andere Kandidaten eine Chance bekamen. Erst 2003 hatte ich eine Eingebung, wie man diese Bücher adaptieren musste. Dann begann alles wieder von vorn. Ich wandte mich an Hergйs Nachlassverwalter, und sie hatten nichts dagegen, mir wieder die Rechte zu überlassen.

tip Was heißt „Eingebung“?
Steven Spielberg Die Lösung bestand zunächst darin, dass wir die Bände „Der Schatz Rackhams des Roten“ und „Das Geheimnis der Einhorn“ auswählten, die bereits eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Aber gleichzeitig wollten wir die Figur von Kapitän Haddock einführen, und der taucht zum ersten Mal in „Die Krabbe mit den goldenen Scheren“ auf. So fügten wir auch Elemente aus diesem Buch hinzu – mit Erlaubnis der Nachlassverwalter.

tip Warum musste daraus ein Animationsfilm werden?
Steven Spielberg Es ging mir nie um das Medium, sondern um die Charaktere und die Story. Das Ziel war es, Hergйs Comics und ihrem Stil gerecht zu werden. Bei dem Neuanlauf 2004 plante ich einen Realfilm – nur Struppi sollte digital animiert werden. Dafür gab ich dann Testaufnahmen in Auftrag. Aber dann hätten wir Spezial-Make-up für die Schauspieler gebraucht, so wie in der „Dick Tracy“-Verfilmung. Und die Sets hätten an Studiobauten des alten Hollywood erinnert – mit sehr unnatürlichen Farben. Das wäre nicht nur extrem teuer geworden, sondern auch für das Publikum nur schwer zu akzeptieren gewesen. Was wir jetzt haben ist ein ganz neues Medium – zwischen digitaler Animation, so wie DreamWorks und Pixar sie machen, und Realfilm.

Die Abenteuer von Tim und Struppitip Sie haben sich dafür entschieden, mit dem Performance Capture-Verfahren reale Darsteller in digitale Menschen zu verwandeln. Aber die Filme, die das versuchten, wie „Der Polarexpress“ oder „Disneys Christmas Carol“ waren nicht sonderlich befriedigend.
Steven Spielberg Mein Orientierungspunkt hieß „Avatar“, der ja zum Großteil aus Performance-Capture-Aufnahmen besteht. Den hatte Peter Jacksons Firma Weta Digital animiert – und dieselben Künstler, die an James Camerons Film arbeiteten, wechselten danach sofort zu „Tim und Struppi“. Ich glaube, dass das Publikum dieses Mischmedium ohne weiteres akzeptieren wird.

tip Mr. Jackson, Sie produzieren aber auch und wollen den nächsten „Tim und Struppi“-Film drehen. Wie entert man so ein Steven Spielberg-Projekt?
Peter Jackson Anders als Steven war ich schon in meiner Jugend ein „Tim und Struppi“-Fan. Als ich in den 80ern hörte, dass er sie verfilmen wollte, war ich extrem neugierig. Dann wartete ich ganz, ganz lange. Und auf einmal, nach vielen Jahren kontaktierte er mich wegen der Effekttests für Struppi.
Steven Spielberg In diesen Testaufnahmen trat Peter auf – verkleidet als Captain Haddock. Da begann ich zu ahnen, dass dieses Projekt bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen war. Und ich fragte ihn, ob er mit mir gemeinsam an den Filmen arbeiten wollte. Darauf meinte er: „Rate mal, was sich hinter mir befindet. – Eine ganze Bibliothek mit allen Büchern Hergйs.“ Und daher lud ich ihn ein, mit mir zusammenzuarbeiten. So wie ich in den 80ern übrigens Roman Polanski eingeladen hatte, einen der „Tim und Struppi“–Filme zu drehen.

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 23/11 auf den Seiten 32-34.

Interview: Rüdiger Sturm

Fotos: Sony Pictures

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Die Abenteuer von Tim & Struppi“ im Kino

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