Kino & Stream

„Ein Leben für ein Leben“ im Kino

… ein Verlassener, der die Welt und sich aufgegeben hat und der dennoch weitermacht. Einst war Adam Stein (Jeff Goldblum) ein gefeierter Clown und Cabaret-Künstler im Berlin der zwanziger Jahre, heute ist er Insasse einer Heilanstalt für nervenkranke Holocaust-Überlebende in Israel. Um das Konzentrationslager zu überstehen, hatte er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Er wurde der Hund des Lager-Kommandanten Klein (Willem Dafoe) und fraß ihm aus der Hand. Klein sagte, er brauche einen treuen Gefährten an seiner Seite, da ihn das Geschäft des Tötens recht schwermütig mache.

Der Holocaust als groteske Metapher, der Wahnsinn als einzig vernüftige Geisteshaltung in einer kranken Welt, der Humor, der mit Entsetzlichem spielt, um den Schmerz zu verdecken: „Ein Leben für ein Leben“ mutet mitunter an wie eine Kreuzung aus „Schindlers Liste“ und „Einer flog übers Kuckucksnest„. Und wie einstmals Jack Nicholson gibt auch Jeff Goldblum in der Irrenanstalt eine formidable One-Man-Show, die wenig Raum für den Rest des Ensembles lässt, etwa Joachim Krуl oder Moritz Bleibtreu. Aber wenn es auch durchweg unterhaltend ist, einem charismatischen Goldblum beim Overacting zuzusehen, gerät der Film dadurch doch aus der Spur. Dass Nationalsozialismus und Todeslager kollektive Erfahrungen waren, wird vom Calvinisten Schrader höchstens am Rand thematisiert; „God’s lonely man“ bleibt in seiner doppelten Vereinsamung gefangen: ein Überlebender zu sein und der willfährige Speichel­lecker eines Massenmörders. Erst als ein Junge eingeliefert wird, der glaubt, ein Hund zu sein, erkennt Stein, dass es einen Ausweg aus seiner Isolation gibt.

Ein Mann, der ein Hund war, trifft einen Hund, der ein Junge war: eine ungewohnte Prämisse für Paul Schrader, den Experten männlicher Malaise. Vermutlich ist „Ein Leben für ein Leben“ deshalb ein Film, dem man anmerkt, dass er sich in seiner eigenen Haut nicht so recht zu Hause fühlt.

Text: Dietmar Kammerer

Adam Resurrected
Deutschland/USA/ Israel 2008; Regie: Paul Schrader; Darsteller: Jeff Goldblum (Adam Stein), Willem Dafoe (Commandant Klein), Joachim Krуl (Wolfowitz); Farbe, 106 Minuten; Kinostart: 19. Februar 2009

Weitere Rezensionen aktueller Kinostarts 

96 Hours 

Der Ja-Sager 

pereSTROIKA – Umbau einer Wohnung

Der Knochenmann

 

Mehr über Cookies erfahren