Kriminalfilm

„Ein letzter Job“ im Kino

James Marsh inszeniert eine Gaunerkomödie um vier ältere Herren, in der vor allem Michael Caine überzeugt

v.l.n.r.: Carl Wood (Paul Whitehouse), Danny Jones (Ray Winstone), Brian Reader (Michael Caine), Terry Perkins (Jim Broadbent), John Kenny Collins (Tom Courtenay), Foto: Studiocanal/ Jack English

Wieder einmal ein Film „nach einer wahren Geschichte“. Der „Hatton Garden Job“ ist ein Stück britischer Kriminalfolklore, genau so wie der Überfall auf den Postzug (hierzulande bekannt durch den Fernseh-Mehrteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“) oder die Geschichte der Unterweltgrößen Reggie und Ronnie Kray. So ist es kein Wunder, dass dies nicht der erste Film darüber ist. Allerdings der erste mit einem Star wie Michael Caine, weshalb er auch, anders als die vorangegangene Version mit unbekannteren Darstellern, hierzulande ins Kino kommt.

Das Besondere am „Hatton Garden Job“ war das Alter der Kriminellen – zwischen 50 und 74 Jahre. Im Film ist ihr Anführer sogar 77 Jahre alt. Mit Hilfe eines jungen Komplizen, eines Experten für Alarmanlagen, gelingt es der Bande, die Schließfächer mit Wertsachen in einer Depotfirma im Londoner Diamantenviertel auszuräumen. Da sie dafür die Osterfeiertage des Jahres 2015 wählten, blieb die Tat mehrere Tage unentdeckt.

Was auf den ersten Blick eine Gaunerkomödie um vier ältere Herren ist, die es „denen da oben“ noch mal zeigen, trotz aller altersbedingten Gebrechen, gefällt vorrangig durch ihre Darsteller, deren Glaubwürdigkeit in diesen Rollen am Ende durch eine Montage aus Jahrzehnte zurückliegenden Filmen unterstrichen wird. Sie machen dabei auch deutlich, dass es sich bei diesen Figuren um Berufskriminelle handelt, die sich durchaus auf Gewaltanwendung verstehen. Gerade Jim Broadbent (bekannt als der souveräne Patriarch aus „Downton Abbey“ und aus Mike Leighs „Another Year“) zeigt sich hier öfter als ausgesprochen „nasty“ und bedrohlich.

Regisseur James Marsh, der bevorzugt Filme dreht, die auf Tatsachen basieren, erzählt diesmal (nach dem misslungenen „Vor uns das Meer“, der den zunehmenden Wahn seiner tragischen Hauptfigur, eines gescheiteren Weltumseglers, glättete) souverän, mit Verknappungen, die Überflüssiges weglassen. So kann man diesen tragikomischen Figuren sehr gut zuschauen. Frank Arnold

King of Thieves (OT), GB 2018; 107 Min.; R: James Marsh, D: Michael Caine, Jim Broadbent, Tom Courtenay, Ray Winstone, Michael Gambon, Start: 25.4.

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