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Ein Lied gegen Gewalt: „The night James Brown saved Boston“

FilmAls Martin Luther King am 4. April 1968 erschossen wurde, gingen in den USA die Straßen in Flammen auf. Die afroamerikanische Ge­mein­de war in Rage. Wer hätte ein­­schreiten können, um die Städte zu retten? „Findet James Brown, wo auch immer er ist“, soll der Bostoner Bürgermeister Kevin White angeordnet haben.
„The Night James Brown Saved Boston“ erzählt spannend und anhand zackig montierter Konzertaufnahmen sowie aktueller Interviews (unter anderem Browns mit Manager Charles Bobbit und Ex-Bürgermeister White), wie es dem Soulsänger tatsächlich gelang, für eine Nacht Frieden in Boston zu schaffen: Indem er kurzerhand ein Konzert gab. Dass Brown aber nicht als selbstlos, sondern durchaus als Künstler mit Eigeninteresse porträtiert wird, ist das größte Verdienst dieser kritischen Dokumentation. Im Gegensatz zu Martin Luther King war Brown kein Pazifist, außerdem ließ seine Gagenforderung den Auftritt fast platzen. Für die Black Panther gar war Brown ein Kapitalist und „Onkel Tom“, man warf ihm vor, dass er sich für Boston funktionalisieren ließ und sich dem weißen Showgeschäft angedient habe.
Kurios waren die politischen Entscheidungen im Hintergrund allemal: Das Konzert wurde live übertragen, damit die Protestler vor den Fernsehern blieben, statt auf der Straße zu wüten. Es funktionierte. „Als die Welt ihn brauchte, für Boston“, sagt der Reverend und Brown-Freund Al Sharpton, „war Brown bereit.“    

Text: Sassan Niasseri

tip-Bewertung: Sehenswert

The Night James Brown Saved Boston USA 2008; Regie: David Leaf;
Farbe und Schwarz-Weiß (Archiv­aufnahmen), 66 Minuten

Vorpremiere: Fr 20.3., Hackesche Höfe, 22.15 Uhr in der Reihe „Cinemarock“,
ab Mo 23.3. im Smoking Cinema des White Trash

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