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Ein Porträt der Schauspielerin Nora von Waldstätten

Nora von WaldstättenWenn man wie Nora von Waldstätten den Anspruch hat, voll hinter jeder Figur zu stehen, führt dies gelegentlich auf Abwege: „Für manche Rollen muss man auch dunkle Seiten an sich selbst ausloten, Grenzen überschreiten, die eigene Zensur außer Kraft setzten“ – wie in dem „Tatort“ „Herz aus Eis“, in dem sie eine aus Langeweile und Lust an der Macht mordende Internatsschülerin spielt und für den sie 2009 mit dem New Faces Award ausgezeichnet wurde. Im eigenen Erschrecken, als sie den fertigen Film das erste Mal auf der Leinwand sah,
fand sie ihre Leistung bestätigt: „Ich finde es ganz wichtig im Beruf – und auch im Leben –, dass man sich nicht mit irgendetwas zufrieden gibt. Dass man Entscheidungen trifft, Klarheit schafft, auch wenn man zwischen Dingen schwankt, sollte man genau wis­sen, wozwischen.“
Damit passt sie, bei aller Begeisterung für glamouröse Dreh­orte von Paris bis Beirut (in Olivier Assayas’ „Carlos“), gut nach Berlin, wohin sie 2003 zum Studium an der UdK umsiedelte: „Ich liebe Berlin. Wien bleibt zwar meine Heimat, aber immer, wenn ich vom Drehen zurück­komme, freue ich mich, wenn ich den Fernsehturm sehe. Eine tolle Stadt mit vielen Möglichkeiten – hier habe ich das Gefühl, jeder ist willkommen. Gerade für Künstler welcher Art auch immer gibt es hier die Chance, in Würde zu leben, auch wenn man das große Geld noch nicht gemacht hat.“
Beim Filmen erlebt sie gerade auch undefinierte Orte ohne Mythos wie Mannheim („Parkour“) oder Halle („Schwerkraft“) als Inspiration: „Die Filme werden ja nicht ohne Grund in solchen Städten gedreht. Das macht zwangsläufig etwas mit dir. Es kommt so etwas Unverschnörkeltes rein, etwas Klares.“ Da ist sie wieder, die klassische Moderne der Nora von Waldstätten. In dieser Klarheit liegt aber nicht nur Strenge, sondern auch ein heiterer Leichtsinn, der an ihr großes Vorbild Audrey Hepburn erinnert. Er muss von der Kamera nur noch entdeckt werden.


Text:
Stella Donata Haag

Foto: David von Becker 

Lesen Sie hier: „Schwerkraft“ im Kino in Berlin

„Aktuelles Deutsches Kino – Gesichter der Krise, Figuren des Überlebens“

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