• Kino & Stream
  • Ein Porträt der Schauspielerin Nora von Waldstätten

Kino & Stream

Ein Porträt der Schauspielerin Nora von Waldstätten

Nora von Waldstätten

Vielleicht hat sie das Gesicht zur Krise. Eine verschlossene, skeptische Schönheit, die sich nicht anbietet oder anbiedert. Dieses Krisenhafte im Gesicht der Nora von Waldstätten, das die Kamera immer wieder sucht, ist der Moment maximaler Offenheit, der plötzliche Wechsel der emotionalen Aggregatzustände: von der Strenge zur Verschmitztheit zum Trotz zum Kinderlachen zum umwerfenden Strahlen und zurück. Ein Gesicht im Potentialis.
Gerade in „Schwerkraft“, dem Film, für den sie mit dem Preis als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet wurde, zeigt sich ihr Talent zum nüchternen Geheimnis: Die Vergangenheit wird nicht erzählt, sondern in ihrem Erfahrungsdestillat gegenwärtig. Ihr zurückhaltender Stil kontrastiert mit der Nervosität von Fabian Hinrichs und der Körperlichkeit von Jürgen Vogel, hält die Figur der Nadine ein Stück weit raus aus dem „Männerfilm“ und macht sie so umso präsenter: „Ich versuche immer die Reduzierung aufs Wesentliche. Ich glaube sehr an den Augenblick und an die Kraft des Gedankens. Und wenn der klar gedacht und gefühlt ist, dann muss man nichts hinterherschieben, nichts gestisch doppelt unterstreichen. Es gibt den richtigen und wichtigen Satz: ‚Unterschätze nicht das Publikum.‘ Man muss auch einmal etwas unerklärt, ein Geheimnis stehen lassen.“
Nora von WaldstättenDie 1981 in Wien geborene Ba­ronesse hält es mit ihrem Landsmann Adolf Loos, der 1908 der eleganten Sentimen­talität des Jugendstils seine Gleichsetzung von Ornament und Verbrechen entgegenschleuderte. „Schnörkellos“ ist eines ihrer bevorzugten Adjektive, es beschreibt auch sie selbst sehr gut, wie sie auf dem Sofa im unterkühlten Raucherraum des „Wohnzimmers“ sitzt, zart unter der mutigen Nana-Mouskouri-Brille und hochkonzentriert. Sie will immer genau begreifen, was passiert, damit sie im entscheidenden Moment die Kontrolle verlieren kann: „Loslassen hat ganz viel mit Schauspielerei zu tun. All die Vorbereitungen, die man gemacht hat, um die Figur auszuloten, muss man in diesem spannenden Moment vor der Kamera dann im bes­ten Sinne loslassen, um ganz im Hier und Jetzt zu sein, frei von zuvor Gedachtem, damit man nichts Vorgefertigtes abliefert.“

Foto unten: JCMoireau

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren