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„Ein Sommer in Haifa“ im Kino

Ein Sommer in Haifa

Überlebende des Holocaust versuchen vergeblich, Schreckenserinnerungen zu verdrängen. Ein Halbwüchsiger macht den ersten Schritt über die Schwelle zum Erwachsenwerden. Eine obsessive Liebe hat tödliche Konsequenzen: Basierend auf Amir Gutfreunds Roman „When Heroes Fly“ verbindet der renommierte israelische Regisseur Avi Nesher verschiedene Handlungsmotive zu einem vielschichtigen Beziehungsdrama über Lebensbedingungen, Vergangenheitsbewältigung und kulturellen Wandel anno 1968 in der Hafenstadt Haifa.
Die beginnende sexuelle Revolution wird personifiziert durch ein rebellisches Teenagermädchen aus den USA, im verrufenen Hafenviertel blühen Schwarzmarkthandel, illegales Glücksspiel und Prostitution. Zentrale Figur ist der Heiratsvermittler und Schieber Yankele Braid, ein schwer durchschaubarer Charakter, dem der in Israel als TV- und Bühnenkomiker berühmte Adir Miller eine ambivalente, leicht sinistre Ausstrahlung verleiht. Eine quer über das Gesicht verlaufende Narbe weist Braid als Überlebenden des Nazi-Terrors aus. Die Narbe ist verheilt, seine inneren Wunden nicht.

Text: Ralph Umard

Foto: Bildkraft

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ein Sommer in Haifa“ im Kino in Berlin

Ein Sommer in Haifa (The Matchmaker), Israel 2010; Regie: Avi Nesher; Darsteller: Tuval Shafir (Arik Burstein, jung), Adir Miller (Yankele Braid), Tom Gal (Benny Abadi); 117 Minuten; FSK 6

Kinostart: 2. Februar

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