Tragikomödie

„Ein Tag wie kein anderer“ im Kino

Die Wege der Trauer sind bitterkomisch – ein israe­lisches Paar verliert den Sohn

Foto: Temperclayfilm

Tischtenniskellen zwischen Hummus und Bestattungsunterlagen: Die Schiwa, ein jüdisches Trauerritual, bei dem die Familie das Haus des Verstorbenen eine Woche lang nicht verlässt, neigt sich dem Ende entgegen. ­Sieben Tage ist es her, dass Eyal und Vicky ihren 25-jährigen Sohn beerdigt haben. Als die Beileidsbekundungen abebben, tritt eine gespenstische Stille im Haus des israelischen Ehepaares ein. Für die Lehrerin Vicky Zeit, zum Alltag zurückzukehren. Ganz anders verarbeitet ihr Mann den Verlust: Eyal konserviert den Ausnahmezustand mit allen Mitteln. Dazu gehört ein Beutel mit medizinischem Marihuana, das seinem Sohn verschrieben wurde. Doch das Drehen eines Joints erweist sich als verzwickt. Also bittet Eyal den chaotischen Nachbarsjungen Zooler um Hilfe – der nicht ganz uneigennützig einwilligt. Mit geröteten Augen verbringen die beiden unvergessliche Tage voller absurder Situationen.
Ein persönliches Schiwa-Erlebnis inspirierte den israelisch-amerikanischen Regisseur Asaph Polonsky zu der Tragikomödie, die in Cannes gefeiert wurde. Gekonnt bettet Polonsky Situationskomik in den zu Tränen rührenden Plot ein. Darüber hinaus gelingt es den überzeugenden Darstellern, auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tiefgründigkeit zu balancieren. Humor erweist sich einmal mehr als taugliches Mittel, um mit tragischen Themen umzugehen.

Shavua ve Yom (OT) ISR 2016, 98 Min., R: Asaph Polonsky, D: Shai Avivi, Evgenia Dodina, Tomer Kapon, Start: 11.5., Regisseur Asaph Polonsky zu Gast: Do 11.5., 20 Uhr, Filmkunst 66

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