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Ein Treffen mit Jens Lehmann

Jens Lehmann in Exklusivmeldung: Jens Lehmann, der verdiente Ex-Nationaltorhüter, hat „Herr Lehmann“ nicht gelesen. Obwohl man es ihm mehrfach schenkte. Was er nie begriff, weil das doch so gar nicht seine Art von Humor sei.
Dass er überhaupt eine Art von Humor hat, ist auch eine recht exklusive Ansicht. Die Produzenten des Filmes „Themba“, in dem Lehmann als Fußballtrainer seinen ersten Leinwandauftritt hat, wollten sie am Rande der Dreharbeiten in Kapstadt vor einem Jahr glaubhaft vermitteln.  Lehmann sei nicht schwierig und jähzornig, wie stets kolportiert, sondern ein lässiger Geselle.
Warum eigentlich nicht. Im Filmgeschäft trifft man dauernd Leute, deren öffentliches Image nichts mit ihren privaten Umgangsformen zu tun hat. Dafür spricht auch, dass sich Lehmann unentgeltlich als Promi-Pate eines ohne Fördergelder finanzierten Projektes über Armut, Afrika und Aids einbringt, das Unterstützung brauchen kann. Und wenn er für  „Themba“ kurz einfliegt, nebenbei ein paar Fotos mit schwarzen Kindern für die „Bunte“ macht und es dem Film am Ende einen Clip in der „Sportschau“ bringt, können alle Seiten eigentlich nur gewinnen. Das Publikum und das Image.
Wäre da nicht der wahre Herr Lehmann. Vielleicht ist es in ihn eingebrannt nach endlosen Spielfeldrand-Phrasen: Im Interview wird er bald kalt und einsilbig. Wie eine Maschine im maliziösen Grinsemodus. Dazu knüppelharte Gesprächsdefen­sive. Tatsächlich nervös vor der Kamera? Ach, das kenne er alles von Werbespots mit der Nationalmannschaft. Ob er eine Beziehung zum Kino habe? Nein. Ob er lieber über Fußball reden wolle? Auch nein, über seinen Sport unterhalte er sich nur mit Experten.
Verdammt, fährt es einem bald durch den Kopf, der löst glatt Tommy Lee Jones als unangenehmsten Gesprächspartner der letzten zwanzig Jahre ab. Also versucht man es mit ambitionierteren Fragen. Sehen Sie Parallelen zwischen den Inszenierungen Hollywoods und des Sportbetriebs, wie in „Gladiator“ gezeichnet? Werden Torhüter eigenbrötlerisch geboren oder macht sie ihre Position dazu?  Nein, auch nicht. Das seien Themen, über die man tief nachdenken müsse. Dazu hat Lehmann jetzt gar keine Antwort parat. Er tut, als müsse er eilig weg und steht dann eine Stunde in Sichtweite rum.
Später hört man noch, dass sein PR-Mann aufs Absegnen der Zitate besteht. Was freilich auf der optimistischen Annahme von Zitierwürdigem basiert. Denn dass Jens Lehmann im Kino spielt wie in einem Werbespot der Nationalmannschaft – danke, das hätte man auch selbst erkannt.

Text: Roland Huschke

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Themba“ im Kino in Berlin

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