Kino & Stream

Eine Begegnung mit Max Riemelt

Wir treffen uns nachmittags im Tacheles in Berlin-Mitte. Er kommt gerne hierher, er wohnt um die Ecke. Aufgewachsen ist er auch nicht weit von hier, am Gendarmenmarkt. Max Riemelt ist Ostberliner, „so’n Ostler halt“. Bei der Wende war er zwar erst fünf, aber die Herkunft ist trotzdem wichtig. „Ich würde behaupten, ich bin die letzte Generation, die das noch mitbekommen hat und diesen Umgang auch noch gerne pflegt. Ich kann das an bestimmten Sachen festmachen. Am sozialen Umgang zum Beispiel. Oder an einem bestimmten Witz, einer Art von Humor.“
Vielleicht gehört dazu auch, dass man mit einem guten Kumpel den Tag verbringt und ihn selbstverständlich auch mit zum Interview bringt. Eine ganze Gruppe von Freunden ist auch mit von der Partie, als der Schauspieler am gleichen Abend im Kino Moviemento bei einer Vorführung seines neuesten Films „13 Semester“ auftritt, zusammen mit dem Regisseur Frieder Wittich und der Schauspielkollegin Claudia Eisinger. Der Film ist die etwas ernsthaftere deutsche Variante einer amerikanischen College-Komödie, eine mitunter recht verträumte Darstellung der Nöte des Erwachsenwerdens.
Riemelt hat selbst nie studiert, aber das Erwachsenwerden ist für ihn als Schauspieler auch gerade aktuell. Er ist jetzt 26, und auch wenn er noch ziemlich jung wirkt, kommt er langsam ins Alter, wo er erwachsene Rollen spielen soll und will. So auch in Dominik Grafs Serie „Im Angesicht des Verbrechens“, in der er den Polizis­ten Max Gorsky spielt. Das sei seltsam gewesen, zu Beginn, „weil alle gedacht haben, der Junge ist zu jung für die Rolle, wie kann jemand, der so jung aussieht, eine Autoritätsperson spielen.“
Mit Graf hat Riemelt schon „Der rote Kakadu“ gedreht, die beiden haben offensichtlich ein gutes Verhältnis. Riemelts Stimme jedenfalls wird ganz warm, wenn er von dem Regisseur erzählt. Der Dreh von „Im Angesicht des Verbrechens“ sei zwar mit überlangen Arbeitstagen und prekären Finanzierungsverhältnissen extrem schwierig gewesen, und „Dominik ist mit seinem Perfektionismus ziemlich anstrengend fürs Team, aber er hat auch eine ungeheuer tolle Selbstironie, die das dann wieder relativiert. Und als Schauspieler bist du immer sehr beschützt von ihm.“
Riemelt arbeitet schon seit er 13 ist als Schauspieler. Aus einer Fernsehrolle ergab sich die nächste. Mit 20 folgte dann der Durchbruch mit Dennis Gansels Film „Napola“, der ihm nicht nur viele Preise einbrachte (unter anderem auch die „Shooting Star“-Auszeichnung der Berlinale), sondern auch viele Türen öffnete. Regisseure wie Dominik Graf hatten danach Lust, mit ihm zu drehen. Und für Riemelt ergaben sich neue Möglichkeiten, als Schauspieler künstlerisch zu arbeiten. „Ich verstehe mich schon so, dass ich anspruchsvolle Sachen machen will. Und Leute wie Dominik Graf oder Dennis Gansel, die können kompromisslos arbeiten. Das ist auch die Art von Filmen, die ich gerne machen will.“ Wenn er von seiner Arbeit erzählt, wirkt er sehr überzeugt, auch wenn er immer wieder sagt, dass er noch auf der Suche ist. Dass er noch nicht genug ausprobiert hat. Dass vielleicht auch die Schauspielerei eine Art Fachidiotie ist. Dass es noch anderes gibt, das wichtig ist. Seine zweijährige Tochter zum Beispiel, um die er sich nach dem anstrengenden Graf-Dreh zum ersten Mal ein paar Monate lang intensiver kümmern konnte. Riemelt strahlt in solchen Momenten eine große Ernsthaftigkeit aus. Als unser Gespräch zu Ende ist, zieht er ab, um den Rest des Nachmittags mit ein paar Kumpels zu verbringen. Irgendwo zwischen 20 und 30 steht Max Riemelt gerade, zwischen Freundeskreis und Vaterschaft, zwischen den Studenten- und den Polizistenrollen.

Text: Catherine Newmark

Lesen Sie hier: „Im Angesicht des Todes“ auf der Berlinale 2010

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