Kino & Stream

Eine Dokumentation über den Tresor

SubBerlin - Underground UnitedIm Rahmen des Achtung Berlin- FilmFestivals läuft an diesem Wochenende im Babylon Mitte die sehenswerte Dokumentation SubBerlin – Underground United über den Tresor Club. Am Freitag haben Besucher mit der gelösten Kinokarte freien Eintritt zum anschließenden Abtanzen im neuen Tresor in der Köpenicker Straße in Mitte.
Regisseur Tilmann Künzel ist mit seiner Dokumentation ein sehenswerter Film über die Gründerjahre des Tresor Clubs im damals gerade wiedervereinten Berlin gelungen. Kurz nach dem Mauerfall hatte eine Gruppe um Dimitri Hegemann den Club am zu dieser Zeit noch unscheinbaren Potsdamer Platz im alten Wertheim-Gebäude eröffnet und damit nicht unwesentlich zum Ruf Berlins als Partystadt beigetragen. Im Kellergewölbe des ansonsten fast völlig zerstörten Gebäudes hörte man damals eine neue Art von Musik, die wenig später unter der Bezeichnung Techno über Detroit und Berlin ihren Siegeszug durch die Clubs der Welt antrat.
In SubBerlin – Underground United kommen die Macher und DJs der ersten Stunde noch einmal zu Wort. Egal, ob nun Hegemann selbst, Johnnie Stieler, Regina Baer oder die DJs wie Sven Väth, Dr. Motte oder auch die Detroiter Legenden Jeff Mills und Blake Baxter – sie alle haben ihre Anekdoten über den damaligen Hype in der werdenden Bundeshauptstadt zu erzählen; von einem Berlin, welches kurz nach dem Mauerfall ein wahres, fast anarchisches Paradies für die Subkultur war. So kurz nach der Wende schien damals Alles möglich: In Ostberlin war die Frage nach den Grundstückseigentümern meist ungeklärt und so schufen ein paar Kulturaktivisten einen magischen Ort, an dem sich die Jugend aus beiden Teilen der Stadt erstmals zum Feiern traf. Der Film zeigt die Entwicklung einer bis dahin unbekannten Musik zwischen Detroit, Berlin und großem Stern, wo Techno zehn Jahre später endgültig zum Massenphänomen werden sollte.
Die Stärke des Films liegt dabei eben vor allem darin, dass sich die Schilderungen zwar durchaus auf den Tresor beschränken, gleichzeitig jedoch ein spannendes Bild von Berlin zeigen, welches zwanzig Jahre nach dem Mauerfall schon fast vergessen scheint. Es herrschte Aufbruchstimmung und der unbedingte Wille mit der neuen Situation einer nicht mehr geteilten Stadt auch Neues auszuprobieren.
Künzel ist der Spagat gelungen, seine Tresor-Dokumentation auch zu einem Stück Zeitdokument über Berlin werden zu lassen. Er hat den Club in der Leipziger Straße von seiner Gründung bis zur vorübergehenden Schließung im Jahre 2005 begleitet.
Gerade auch Leuten, die Techno nicht unbedingt zu ihrer Lieblingsmusik zählen, bietet Sub Berlin – Underground United interessante Einblicke in eine Szene, die oft nur als Teil einer Party- und Spaß-Generation belächelt wird.
Auf dem Portobello-Film-Festival 2008 in London wurde SubBerlin – Underground United mit dem Preis für die beste Musikdokumentation ausgezeichnet.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Sehenswert

SubBerlin – Underground United, Deutschland 2008; Regie: Tilmann Künzel; Farbe, 80 Minuten.

Im Rahmen des Achtung! Berlin-FilmFestivals, Fr 17.4., 22.30 Uhr und Sa 18.4., 22 Uhr, Babylon Mitte, So 19.04., 22:15 Uhr, Kino Passage Neukölln

Besucher der Kinovorstellung am Freitag haben mit gelöstem Kinoticket anschließend freien Eintritt im Tresor, Berlin-Mitte.

Lesen Sie hier mehr zum Achtung Berlin – FilmFestival

Mehr über Cookies erfahren