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„Eine dunkle Begierde“ im Kino

Eine dunkle Begierde

Dass die Väter und Mütter der Psychoanalyse ihre Theorien nicht nur in der Betrachtung neurosengeplagter Patienten, sondern ebenso sehr in der forschenden Selbstbespiegelung herausbildeten, gehört zu den Besonderheiten der Lehre, die Sigmund Freud im frühen 20. Jahrhundert mit bis heute nachhaltigem Erfolg zu etablieren suchte. David Cronenbergs Film entfaltet über die schicksalhaft miteinander verknüpften Geschichten von Freud (Viggo Mortensen), C.?G. Jung (Michael Fassbender) und dessen Patientin Sabina Spielrein (Keira Knightley) nicht nur den Rahmen für eine überaus komplexe und leidenschaftliche Dreiecksgeschichte, sondern unterzieht gleich selbst die ganze Theorie einer kleinen Analyse.
„Eine dunkle Begierde“ erzählt von den  Ängsten und verdrängten Wünschen, die ihre Entdecker und Erfinder plagten, von wahnwitzigen Theorie-Entwürfen und tastender Selbsterforschungsarbeit. Was Cronenberg entdeckt, macht die Figuren reicher und ihr Handeln – auch wenn es irregeleitet sein mag und falsch – in ihrem eigenen Horizont verständlich. Es ist eine Erkundung des Stoffes, aus dem das Leben ist, und dabei zugleich eine Liebesgeschichte, die auf kein Happy End zu rechnen braucht, um dennoch gültig zu sein.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Eine dunkle Begierde“ im Kino in Berlin

Eine dunkle Begierde (A Dangerous Method), Deutschland/Kanada/Großbritannien/Schweiz 2011; Regie: David Cronenberg; Darsteller: Michael Fassbender (Carl Jung), Keira Knightley (Sabina Spielrein), Viggo Mortensen (Sigmund Freud); 100 Minuten; FSK 16

Kinostart: 10. November

Im Berzt+Fischer-Verlag ist parallel zum aktuellen Filmstart eine Monografie zu Cronenberg erschienen:
Marcus Stiglegger (Hg.): „David Cronenberg“, 320 Seiten, 222 Fotos/Bildsequenzen, 19,90 Euro

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