Gender-Drama

„Eine fantastische Frau“ im Kino

Marina (grandios: Daniela Vega) steckt nicht nur voller Lebenslust, sie ist auch eine ungewöhnliche Frau – denn sie war früher körperlich ein Mann

Foto: Piffl

Mit 27 Jahren arbeitet sie als Kellnerin in Santiago de Chile und ist auch als Sängerin aktiv. Mit dem deutlich ­älteren Orlando (Francisco Reyes) hat sie die ­Liebe ihres Lebens gefunden.
Doch dann stirbt ihr Liebhaber überraschend und Marina sieht sich mehreren Fronten gegenüber: Die Polizei vermutet beim Tod Orlandos Ungereimtheiten, schließlich ist eine Transsexuelle im Spiel (als ob das ein Grund wäre). Und da ist auch noch ­Orlandos Familie: Seine Exfrau verbietet ­Marina, zur Trauerfeier Orlandos zu kommen, dessen ­latent gewalttätiger Sohn droht Marina. Trost findet sie nur bei ihrer Schwester und dem alten Gesangslehrer. Doch so leicht lässt sich ­unsere ­Heldin nicht unter­kriegen.
Eine Außenseiterin im Kampf um die Anerkennung in der Gesellschaft – Sebastián Lelio entwirft nach „Gloria“ (2012) erneut ein unglaublich intensives Frauenporträt und kann dabei voll auf das ­Charisma seiner Hauptdarstellerin Daniela Vega bauen, die ihr Porträt der Marina extrem facettenreich gestaltet. Noch intensiver wird das bedächtige Drama durch die zum Teil recht drastische Licht­gebung und das Einstreuen von kurzen Traumsequenzen, in denen Marina ­ihren toten Liebhaber sieht. Ein ungewöhnlicher Film voller Empathie, ein kraftvolles Plädoyer für Toleranz. Bei der Berlinale 2017 gab es den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch.

Una mujer fantástica (OT) CHI/USA/D/E 2016, 104 Min., R: Sebastián Lelio, D: Daniela Vega, Francisco Reyes, Nestor Cantillana, Alejandro Goic, Start: 7.9.

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